Stadtleben

Die „Paradiestür“

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Die „Paradiestür“
Pforte zum Paradies in Geislingen

Die „Paradiestür“

Kein geringerer als Michelangelo Buonarroti soll mal geäußert haben: „Die Schönheit dieser Tür macht sie würdig, Pforte zum Paradies zu sein.“ Damit gemeint ist das Ostportal des romanischen Baptisteriums auf den Domvorplatz von Florenz, das seitdem als „Paradiestür“ bezeichnet wird. Entworfen und ausgeführt wurde es von Lorenzo Ghiberti zwischen 1425 und 1452. Zehn quadratische und vergoldete Bronzefelder stellen auf seinerzeit revolutionär empfundene Weise Begebenheiten aus dem Alten Testament vor.

Um dieses überragende Meisterwerk der Frührenaissance bewundern zu können, muss der Kunstfreund nicht nach Florenz reisen. Eine an die Aussagekraft des Originals heranreichende Zweitfassung wird in einem eigens dafür eingerichteten, kappellenartigen Raum der WMF präsentiert. Wie kam es dazu? Zwischen 1890 und 1953 betrieb WMF auch eine „Galvanoplastische Kunstanstalt“. Im Jahr 1910 erhielt diese Abteilung vom Städtischen Museum Stettin den Auftrag, für einen Neubau eine Zweitfassung der Paradiestür anzufertigen.

Über 2.000 Arbeitsstunden benötigten die Facharbeiter der Kunstanstalt für die kunsthandwerkliche Meisterleistung. 1913 vollendet und sogleich auf der internationalen Baufachausstellung in Leipzig präsentiert, gelangte das Werk anschließend nach Stettin. Doch das Museum konnte es nun nicht mehr bezahlen. Der Weltkriegsbeginn 1914 und die Inflation der 1920er Jahre ließen erst recht keine Finanzierung mehr zu, so dass die Tür 1928 wieder nach Geislingen gelangte.

Mittlerweile fahren italienische Wissenschaftler nach Geislingen. Denn viele Einzelheiten sind am Urstück wegen umweltbedingter Korrosionen so extrem verwischt, dass die Geislinger Replik authentischer ist als das mittlerweile in einem Museum aufbewahrte Original.

Bild: Stadtverwaltung Geislingen / Lena Horlacher

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