Stadtleben

Die unendliche Geschichte der Migy-Sanierung

-
Die unendliche Geschichte der Migy-Sanierung
Derzeit in aller Munde – Ein Kommentar von OB Frank Dehmer

Die unendliche Geschichte der Migy-Sanierung

Es gibt für einen Bürgermeister sicher viele schönere Themen, über die er sprechen oder schreiben könnte. Aber die Öffentlichkeit beschäftigt das Thema Migy natürlich sehr und aus diesem Grund möchte ich gerne auch ein paar Aspekte in die öffentliche Diskussion mit einbringen, die aus meiner Sicht etwas zu kurz kommen.

1. Oberbürgermeister, Gemeinderat und Stadtverwaltung werden an den Pranger gestellt nach dem Motto „Wie konnte man diesen Architekten überhaupt noch einmal beauftragen?“ oder „Wie gehen die denn mit unseren Steuergeldern um?“

Nun zunächst einmal muss gesagt werden, dass alle drei genannten Personenkreise aus meiner Sicht stets ihre Aufgaben nach bestem Wissen und Gewissen wahrnehmen und auch das Thema „Finanzen“ hier stets eine wichtige Rolle spielt. Schon aus diesem Grund werden Entscheidungen sicher nie „einfach so“ getroffen. Der Architekt hat übrigens in Geislingen nicht nur das Migy gebaut von dem alle immer sagen „Das Migy war ja schon von Anfang an nix!“. Auch die daneben stehende Schubart-Realschule wurde von ihm gebaut – mit der alle soweit ich weiß recht zufrieden sind – oder auch die Michelberghalle, die aus meiner Sicht durchaus eine sehr gute Sporthalle ist.

Im Nachhinein, mit dem heutigen Wissen, kann ich allen versichern, dass sowohl der Gemeinderat als auch die Verwaltung sich wünschen würden, einen anderen Architekten und andere Fachplaner beauftragt zu haben. Allerdings haben sich Verwaltung und Gemeinderat, noch unter meinem Vorgänger Wolfgang Amann, im Vorfeld einer Baumaßnahme auch noch nie so umfassend mit einem Bauvorhaben beschäftigt. Sogar Besichtigungen von bereits in der Art gebauten Gebäuden wurden vorgenommen und mit den Nutzern gesprochen.

Ich persönlich hatte bereits im Vorfeld größte Vorbehalte an verschiedenen Punkten, die ich damals auch deutlich während des Wahlkampfs geäußert habe. Allerdings muss dazu natürlich gesagt werden, dass ich damals auch nur als Außenstehender Zugriff auf entsprechende Informationen hatte. Als neuer Bürgermeister muss man solche demokratisch getroffenen Entscheidungen dann eben mittragen. Es wäre aber auch mir natürlich lieber gewesen, wenn meine damaligen Befürchtungen nicht eingetroffen wären.

2. Immer wieder kommt auch der Vorwurf, man hätte die Sanierung schon früher stoppen sollen, als die Kostenentwicklung stark nach oben ging. „Hätte, hätte Fahrradkette“ fällt mir dazu als Erstes ein. Entscheidungen müssen immer zu einem bestimmten Zeitpunkt getroffen werden. Hier gilt es die zu diesem Zeitpunkt bekannten Fakten und angenommene Entwicklungen in der Zukunft abzuwägen. So war dies auch hier. Gemeinsam mit meiner Verwaltung und dem Gemeinderat standen wir (leider) öfter an diesem Punkt und die Entscheidungen sind uns nie leicht gefallen. Die Sanierung fand während dem laufenden Schulbetrieb statt und es war das Ziel, im Sinne der Schüler*innen und Lehrer*innen, schnellstmöglich wieder einen normalen Schulbetrieb zu ermöglichen. Aus diesem Grund musste so manche (finanzielle) Kröte geschluckt und die entsprechenden Beschlüsse gefasst werden.

3.„Erst die Mängel im Brandschutz und jetzt auch noch die statischen Probleme in Teilen des Gebäudes – hätte das bei der Stadtverwaltung nicht schon früher jemand auffallen müssen?“ oder „Wie konnte die Stadt hier die Schüler*innen und Lehrer*innen in Gefahr bringen?“ sind ebenfalls Sätze, die man immer wieder hört.

Hier ist noch einmal klar zu sagen: Sowohl für die Brandschutzkonzeption als auch die statischen Berechnungen bei einer Baumaßnahme werden entsprechende Fachingenieure beauftragt. Auch gerade weil es bei einer Stadtverwaltung in unserer Größe hier keine eigenen Experten dafür gibt. Das ist nicht ungewöhnlich sondern ganz normal. Wenn man solche Büros beauftragt, dann muss man sich auch darauf verlassen können, dass diese ihr Handwerk verstehen und ihre beauftragte Leistung erbringen. Seitens der Stadt haben wir zu keinem Zeitpunkt bewusst Menschen irgendwelchen Risiken ausgesetzt und immer sofort gehandelt, wenn uns entsprechende Missstände bekannt wurden.

Dies möchte ich an der Stelle auch noch einmal ganz deutlich sagen. Darüber hinaus haben wir auch immer sofort alles daran gesetzt, Lösungen zu finden, die sowohl die Sicherheit gewährleisten als auch einen möglichst störungsfreien Unterricht ermöglichen. Uns nun Intransparenz vorzuwerfen ist aus meiner Sicht nicht fair. Uns ist an einer Kommunikation gelegen, die der Sache gerecht wird und aus diesem Grund überlegen wir uns auch genau, wie wir hier vorgehen. In einem Stadium Panik zu verbreiten, in dem Dinge (noch) nicht ganz durch Fakten abgesichert sind, gehört da nicht dazu.

Zum Schluss sei noch einmal gesagt, dass es der Verwaltung, dem Gemeinderat und mir persönlich auch lieber wäre, wenn die Sanierung so glatt gelaufen wäre, wie zum Beispiel bei der Daniel-Straub-Realschule oder dem Neuen Rathaus – das können Sie mir glauben. Diese Baumaßnahmen wurden von der gleichen Verwaltung mit betreut und waren im Zeit- und Kostenrahmen, wenn auch in etwas kleineren Dimensionen. Und der Gemeinderat hat, wenn auch nicht bei beiden Bauvorhaben in der exakt gleichen Besetzung wie beim Baubeschluss zur Migy-Sanierung, nach besten Wissen und Gewissen abgestimmt und entschieden – da gehe ich zumindest davon aus.