Stadtleben

Droht im Ländle künftig Wassermangel?

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Droht im Ländle künftig Wassermangel?

Let it rain

Deutschland, Anfang 2021: Grauer Himmel, Regen und etwas Schnee. Doch trotz der Niederschläge herrscht im Boden vielerorts Dürre. Wird im Land bald das Wasser knapp? Bei uns im Süden gab es Gott sei Dank ein bisschen mehr Schnee als im übrigen Land, aber reicht das?

Wir haben ein bisschen recherchiert und im Netz diese wunderbaren Dürremonitore gefunden. Die Farbe Rot steht für den Grad der Trockenheit im Boden, abgebildet im aktuellen Dürremonitor des deutschen Helmholtz Zentrums für Umweltforschung (UFZ). Das Gute daran: Deutschland ist nicht mehr ganz so dunkelrot wie im vergangenen Juni oder September – doch der Januar war 2021 deutlich röter als im Vorjahr.

Wunderbar veranschaulicht ist auf diesen täglich aktuellen Monitoren, wie sich der Wert zum Vortag, Vormonat oder Vorjahr verändert hat. Das Bewusstsein, dass das Wasser in letzter Zeit nicht inflationär vorhanden war, ist ja schon eine Weile da. Allerdings freue ich mich seit dem Betrachten dieser PDFs immer sehr wenn es regnet. Wenn es wie im letzten Monat dann einige Tag hintereinander geregnet hat natürlich umso mehr – in Bezug auf den Wassermangel natürlich nur
Die Kids haben natürlich kurzfristig gesehen nicht so viel Spaß beim waagrechtem Regen … An dieser Stelle: „Ist doch gutes schottisches Wetter, der Regen fällt fast lotrecht, nur leicht zur Seite geneigt“, wie Freiheitskämpfer William Wallace (Mel Gibson) die Wetterlage im Film beschreibt.

Zum Dürremonitor zurück:

Tatsächlich gibt es in den tieferen Bodenschichten verbreitet dunkelrote Flecken – also sehr große Trockenheit. Darunter leiden vor allem Bäume, deren Wurzeln aus diesen Schichten Wasser ziehen. Diese Schichten befinden sich bis 1,80 Meter unter der Erde. Der Oberboden, bis 25cm unter der Erde, ist für die Landwirtschaft relevant.

„In vielen Regionen in Deutschland hat sich ein deutliches Wasserdefizit aufgebaut, besonders in den vergangenen drei Jahren“, erklärt Dietrich Borchardt, Leiter des Forschungsbereichs Wasserressourcen und Umwelt am UFZ. „Aber eigentlich gibt es dort schon seit mehreren Jahren Abweichungen vom langjährigen Mittel der Wasserbilanz.“ Auch in diesem Winter hat es laut Borchardt bisher zu wenig geregnet, so wie bereits die beiden Winter zuvor.

Übrigens:

Das meiste Trinkwasser in Deutschland wird aus dem Grundwasser gewonnen – mehr als 70 Prozent. Bisher kann man in Deutschland allerdings noch nicht von Wasserstress sprechen. Der beginnt, wenn dauerhaft mehr als 20 Prozent des verfügbaren Wassers entnommen werden. Derzeit sind es im bundesweiten Schnitt rund 13 Prozent. Doch es ist vollkommen klar: Wir müssen anders mit unserem Wasser umgehen, sonst geraten wir demnächst doch in Wasserstress.
„Sommer wie 2018 und 2019 könnten in 30 Jahren der Normalzustand in Deutschland sein, denn wir befinden uns mitten im Klimawandel,“ erklärt Borchardt. „Aktuell sind wir in einem Stress-Test. Wir müssen in vielen Bereichen einen neuen Umgang mit knapper werdendem Wasser finden: in der Landwirtschaft und Forstwirtschaft, in der wasserintensiven Energiewirtschaft genauso wie in der Binnenschifffahrt oder dem Wassermanagement in den Städten.“

Schauen wir uns das Jahr 2020 an. Vor allem der April war sehr trocken: Nach Angabe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war er der sonnigste sowie der dritttrockenste April seit Messbeginn in Deutschland im Jahr 1881. Mit knapp 17 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erreichte er kaum ein Drittel seines Solls von 58 Liter pro Quadratmeter. An zahlreichen Messstationen des DWD, vor allem im Süden und der Mitte Deutschlands, fiel vom 1. bis zum 27. April 2020 gar kein messbarer Niederschlag. Das war Gott sei Dank im letzten Monat anders. Die Böden, die sich im nassen Februar meist gut mit Feuchtigkeit gefüllt hatten, trockneten im Vorjahresmonat in den oberen Bodenschichten wieder aus, wodurch die Waldbrandgefahr gebietsweise auf die höchste Stufe stieg. Es nahmen auch die Anzeichen für Trockenheit in den oberen Bodenschichten wieder zu, denn auch in den Monaten Mai und Juli gab es zu wenig Regen: Laut DWD verfehlte der Mai 2020 mit rund 40 Litern pro Quadratmetern (l/m²) seinen Klimawert von 71 l/m² deutlich. Auch der Juli erreichte mit rund 50 Litern pro Quadratmeter (l/m²) nur 65 Prozent seines Solls von 78 l/m². Allein der Juni erreichte mit 90 l/m² den üblichen Wert von 85 l/m².

Gibt es in Deutschland ein Problem mit Wasserknappheit?

Wir haben in Deutschland ein potenzielles Wasserdargebot gemittelt über viele Jahre von 188 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. Das Wasserdargebot ist eine Größe des regionalen Wasserkreislaufs und umfasst die Menge an Grund- und Oberflächenwasser, die wir theoretisch nutzen können. Im langjährigen Mittel fließen in die jährlich ermittelten erneuerbaren Wasserressourcen der Niederschlag, die Verdunstung sowie die Zuflüsse nach und die Abflüsse aus Deutschland in die Berechnung ein. Neben dem über viele Jahre gemittelten Wasserdargebot zeigt das jährliche Wasserdargebot starke witterungsbedingte Schwankungen. So lagen die erneuerbaren Wasserressourcen im Jahr 2018 bei 119 Milliarden Kubikmeter. Allerdings sind die Wasserentnahmen über die letzten Jahrzehnte deutlich zurückgegangen. Das liegt an Wasserkreislaufführung in der Industrie, an der Reduzierung von Kühlwasser für Kraftwerke und Einsparungen bei der öffentlichen Wasserversorgung. Die öffentliche Wasserversorgung entnimmt mit 2,8 Prozent aber nur einen Bruchteil der erneuerbaren Wasserressourcen. In privaten Haushalten ist der Verbrauch von 1990 bis heute erheblich zurückgegangen (von 144 Litern/Person/Tag 1991 auf 123 Liter heute).

Dürremonitor Deutschland

 

Maßnahmen in der Forstwirtschaft

In der Forstwirtschaft haben die zuständigen Stellen auch in unserer Gegend bereits seit einigen Jahren den Waldumbau begonnen, um mit angepassten Arten und der Gestaltung von Mischwäldern die Monokulturen zu reduzieren und die Resilienz (Fähigkeit des Ökosystems, auf Störungen zu reagieren) zu verbessern. So sieht die Schaffung klimarobuster Wälder im Bundesforst die stabile, strukturreiche und standortgerechte Entwicklung von Mischwäldern vor. Dies muss konsequent fortgesetzt werden. Uns hat interessiert, wie lange es dauert, bis ein bis zu 1,80m Tiefe durchtränkter Boden wieder vollkommen ausgetrocknet ist. Herr Dr. Andreas Marx vom Helmholtz Zentrums für Umweltforschung:

„Das konnte 2018 gut beobachtet werden. Gute Böden (sehr tonreich) können das Wasser sehr lange halten, so dass hier ein halbes Jahr mit stark unterduchschnittlichem Niederschlag kompensiert werden kann, schlechte (eher sandige) Böden laufen schneller in einem Zeitraum bis ca. drei Monaten leer.“ Mitte April haben wir zusätzlich gefragt, wieviel es diesen Monat noch regnen sollte, damit wir für den Sommer einigermaßen gewappnet sind?
„Es sind nicht nur Regenmengen, sondern auch z.B. die Temperaturen wichtig, da die Verdunstung darüber gesteuert wird. Für den Oberboden und die Landwirtschaft wäre ein halber zusätzlicher Monatsniederschlag gut. Wie sich hier die Dürresituation über den Sommer entwickelt ist nicht vorherzusagen, da die Kulturen stark von den oberen Bodenschichten abhängen und ein mittlerer Niederschlag über den die nächsten Monate und damit immer wieder Mal nassem Oberboden reichen kann, eine durchschnittliche Ernte einzufahren.

Die Situation im Gesamtboden ist anders – hier bräuchte es ca. 3 Monate bis zu einem halben Jahr überdurchschnittlichen Niederschlag bei niedrigen Temperaturen (unter 15°C) Tageshöchsttemperatur. Diese Situation ist für den Sommer nicht zu erwarten, so dass von einer weiteren Sommerdürre im Gessamtboden ausgegangen werden muss.“

Also freut euch über den Regen 🙂

Vielen Dank für die netten Telefonate und Hilfe vom Helmholtz Zentrum für Umweltforschung.

Titelbild: W. Kiatdumrong / 123RF.COM