Stadtleben

Geislingen und der Döner …

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Geislingen und der Döner …

Döner – eine schwäbische Erfindung?

Kollege Baris und ich hatten es neulich mal wieder um die Herkunft des Döners. Also dem Gericht „Fladenbrot auf der Hand“ so wie es wir hier eben kennen. Ich meinte, bereichert durch Wissen aus der Sendung Galileo oder sowas in der Art vor vielen Jahren, dass das Gericht in Berlin erfunden wurde. Baris, stolzer Türke seines Zeichens allerdings widersprach und gab zum Besten, dass seit hunderten von Jahren schon Kebab in Brot in der Türkei feilgeboten wird. Na dann schau mer doch mal …

Sei es unten am Daimlerplatz, oben in der Bahnhofstraße oder ansonsten noch an vielen weiteren Orten in Geislingen sind die Dönerläden seit langem nicht mehr wegzudenken. Aber eigentlich ist das ja kein Wunder. Geislingen hat nicht nur in seiner großen türkischstämmigen Community eine große Fangemeinde des sich drehenden Fleisches. Insgesamt haben wir in Geislingen laut Google 10 dieser türkischen Fastfood-Versorger. Wobei das Wort Fastfood immer ein wenig einen negativen Touch hat.

  • Fast Food hat generell keinen guten Ruf in der Gesellschaft – und Döner zählt dazu. Im Vergleich zu Pizza, Burger & Co. schneidet die türkische Brottasche jedoch ganz gut ab.
  • Kraut und Gemüse sind gute Vitamin- und Ballaststoff-Lieferanten.
  • Die Tomate bringt sowohl die Vitamine C, A, B1, B2 und E als auch Niacin und wichtige Mineralstoffe mit in den Döner. Die Zwiebel liefert ebenfalls Vitamin C, dazu noch Magnesium, Kalzium und Kalium. 
  • Haupt-Eiweißlieferant ist natürlich das Fleisch. Die Proteine helfen beim Muskelaufbau. Ein Nachteil: der hohe Fettgehalt, besonders bei Lamm. Möchtet ihr weniger Fett, greift auf die Geflügelfleisch-Variante zurück.
  • Das Ungesündeste am Döner ist das Brot. Dieses besteht in der Regel aus Weißmehl, also aus leeren Kohlenhydraten, die dem Körper nichts bringen. Aber irgendwo muss das Essen ja rein um transportiert zu werden, ansonsten wäre es ja kein Fastfood.
  • Vegetarier werden höchstens zum Gemüse-Döner greifen.

Bis auf das Brot hat der Döner-Sandwich also unserem Organismus durchaus gesunde Nährstoffe zu bieten und liegt in Sachen Gesundheit vor seinen Fast Food-Kollegen. So könnt ihr also ohne allzu schlechtes Gewissen die nächste Döner-Bude aufsuchen. Der Name Döner kommt eigentlich von Döner Kebap oder Döner Kebab. „Kebab“ bedeutet soviel wie gebratenes Fleisch und Döner leitet sich vom türkischen Verb „dönmek“ (oder „döndurmek“ – zu Deutsch „sich drehen) ab und bedeutet drehen. „Döner Kebab“ bedeutet also sich drehender Spieß.

Bild: kesu87/123RF.COM

Die Geschichte des Döners

Erstmals wurde der Kebab im Jahr 1936 in Anatolien erwähnt. Zu der Zeit wurde der sogenannte „Sis Kebab“ noch auf einem horizontalen Spieß über Holzkohle gegrillt. Verwendet wurde ausschließlich Hammelfleisch. Auch schon damals wurde das in Streifen geschnittene Fleisch in Brotteig gewickelt und dann serviert. Allerdings im Sitzen.

Einige Jahre danach soll der Döner noch einmal in der Stadt Bursa von einem Koch namens Iskender erfunden worden sein. Zwischen die Hammelfleischscheiben schichtete er zusätzlich gehacktes Hammelfleisch. Das aufgeschnittene Fleisch wurde dann mit Joghurt und zerlassener Butter auf Fladenbrot serviert. Allerdings nicht vergleichbar mit den Riesenstücken und voll besetzt wie bei uns.

Wurde der Döner in der Türkei erfunden und dann nach Deutschland importiert oder geht der Döner Kebap auf türkische Einwanderer zurück? Eine Frage, die man nicht so ohne weiteres beantworten kann – wir versuchen es an dieser Stelle trotzdem.

Berlin oder das schwäbische Reutlingen?

Lange Zeit galt der Berliner Kadir Nurman als der Erfinder. Der „Vater des Döners“ kam Ende der sechziger Jahre als Gastarbeiter nach Deutschland und arbeitete zunächst beim Automobilhersteller Daimler in Stuttgart. Als Nurman 1972 nach Berlin zog, erkannte er schnell, dass die Menschen in der hektischen Metropole viel im Laufen und von der Hand essen und kam auf eine Idee: Warum nicht ein Fladenbrot nehmen und gegrilltes Fleisch sowie ein paar Zwiebeln dazwischenlegen? Der Döner war geboren, zumindest in seiner Urform – Tomate, Soße und Salat kamen erst später dazu.

Ist Kadir Nurman also der alleinige Erfinder des Döners in Deutschland? Ganz so offensichtlich ist die Lage wohl nicht: 2012 meldete sich ein weiterer Einwanderer zu Wort. Demnach ist nicht Kadir Nurman sondern Nevzat Salim der wahre Erfinder des Döners in Deutschland. Er will das mit Grillfleisch gefüllte Brot schon 1969 im baden-württembergischen Reutlingen verkauft haben. Salim stammt ursprünglich aus der türkischen Stadt Bursa und kam 1968 aus der Türkei nach Deutschland. Also ist der Döner, wie wir ihn kennen schwäbisch!!!! Es gibt sogar Bilder aus der Zeit!

Die Lage ist also unübersichtlich – immerhin lässt sich aber mit einiger Gewissheit sagen, dass Döner Kebab zwar auf deutschem Boden erfunden wurde, aber keine rein deutsche Erfindung ist. Auch in der Türkei gab es schon seit langem Döner – dort galt das gegrillte Fleisch aber eher als gehobene Mahlzeit, die auf einem Teller mit Beilagen (z.B. Reis oder Gemüse) serviert wurde. Auch der Grillspieß wurde in der heutigen Form vielleicht in Deutschland entwickelt, hat aber einen türkischen Vorläufer, wie man schon am Wort „Döner“ (türkisch: sich drehend) erkennt.
Döner als Fastfood ist also eine deutsche Erfindung, aber auch ein Beispiel für kulinarische Integration in beiden Richtungen. Im Unterschied zu den Neunziger Jahren ist das Döner-Sandwich inzwischen nämlich auch in der Türkei populär – bekannt gemacht haben es Rückkehrer aus Deutschland in die Türkei.

Was hierzulande in der Döner-Bude über die Theke gereicht wird, hat wenig mit dem Original aus der Türkei zu tun. Traditionell wird für Döner ausschließlich Hammel- oder Lammfleisch verwendet.

Zusammenfassend:

Dönerkebab, “sich drehendes Grillfleisch”, gibt es auch in der Türkei an jeder Ecke. Statt eines üppig mit Fleisch, Salat und Soße gefüllten Fladenbrotes bekommt man stattdessen jedoch etwas auf die Hand, das wie ein halbes Baguette aussieht, das mit ein paar Stückchen Fleisch, Tomate und Gurke belegt. Gewonnen!