Stadtleben

Geislingens Farbspektakel

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Geislingens Farbspektakel

… und die Macht der Farben

Nicht nur zur Weihnachtszeit zeigen sich Häuser in Geislingen ziemlich bunt. Die Künstlerin Verena Menzel hat jetzt dafür gesorgt, dass ein bunter Blickfang das ganze Jahr über die Aufmerksamkeit von Passanten und Autofahrern auf sich zieht. Ihr renoviertes Haus in der Geislinger Schulstraße, also genau zwischen dem Jugendhaus „Maikäferhäusle“ und der Uhlandschule, präsentiert sich jetzt als „riesiges Gewächshaus“ für bunte Blüten.

Auf der türkisfarbenen Fassade mit den rot umrahmten Fenstern wachsen überdimensionale blau-gelb-rote Fantasieblumen in den Geislinger Himmel. Die Farbenpracht signalisiert, dieses Haus beherbergt Besonderes. Und in der Tat, das Haus beherbergt das Atelier für „Kunst und Kunsttherapie“ von Verena Menzel. Ein Farbtupfer im sonst meist grauen Alltag der Fünftälerstadt. Vielen Dank für diese wunderbare Bereicherung!

Verena Menzel

Wir haben uns noch ein wenig tiefer Gedanken gemacht, was denn Farben so alles ausdrucken können.

„Lass das Kind abends nicht in den Computer oder ins Telefon schauen, sonst schläft es durch den blauen Hintergrund nicht.“ Das darf ich mir relativ oft anhören … Als ob die Kids einen Grund brauchen, nicht schlafen zu können. Experten sind sich da allerdings uneins. Fest steht: Blaues Licht signalisiert uns, wach zu bleiben und scheint manchen Menschen Schlafstörungen zu bereiten oder sie am Einschlafen zu hindern.

Rötliches Licht dagegen signalisiert: Es ist langsam Zeit fürs Bett – der Körper beginnt, das Schlafhormon Melatonin auszuschütten. Was ich mich immer frage, wenn ich bei einem Mietwagen mit roter Beleuchtung, Geschwindigkeitsanzeige usw. fahre … Wenn da was dran ist dann wäre das doch nicht so? Aber irgendwas scheinen die Farben natürlich schon zu bewirken. Viele Menschen wünschen sich einen bunten Alltag. Die wenigsten wissen, was sie damit meinen. Denn Farben haben in unserem Leben eine weit größere Wirkung, als viele denken. Farben sind Sinneseindrücke, die entstehen, wenn Licht auf die Netzhaut der Augen fällt.

Wissenschaft

Die Hirnforschung hat herausgefunden, dass Farben sogar bei geschlossenen Augen einen Einfluss auf dich haben, denn Haut und Netzhaut verfügen über eine vergleichbare Lichtempfindlichkeit. Der Effekt von Farben auf dein Wohlbefinden beschränkt sich nicht nur auf das Gehirn und ist somit vielschichtiger als gedacht. Man kann die Wirkung quasi in 3 Ebenen unterteilen.

  1. Die erste Ebene ist die der erlernten Farbsymbolik: Ab dem Moment der Geburt wachsen die meisten Menschen in einer farbigen Welt auf, wodurch auf natürliche Weise gewisse Farben mit gewissen Bedeutungen verknüpft werden.
  2. Dann folgt die persönliche Ebene: Farben wirken hier entsprechend des Erlebten und der Erfahrungen, die du damit gemacht hast.
  3. Schlussendlich gibt es die dritte Ebene, den Bereich, in dem du wie von selbst auf Farben reagierst. Hier werden unbewusst körperliche Reaktionen ausgelöst, die man schlecht beeinflussen kann. Ein Beispiel ist die Farbe Rot, die auf viele Menschen eine besondere Wirkung hat. Ein Versuch zeigte zum Beispiel, dass der Adrenalinspiegel von Sportlern in rot gestrichenen Räumen automatisch steigt.

Glück hat seine eigene Farbe

Interessanterweise spielt es für die Wirkung der Farben keine Rolle, ob du zum Beispiel auf eine grüne Wiese oder eine grün gestrichene Wand blickst – Farben beeinflussen immer gleich, in welcher Form sie auch daherkommen. Die Farbwahrnehmung hängt auch stark mit der Persönlichkeit und Kultur zusammen. Von vielen wird Gelb heute mit Glück assoziiert, da sie die Farbe mit der Sonne verbinden. In den 1890ern wurde Gelb jedoch als bedrohliche Farbe wahrgenommen, da Bücher mit gelben Umschlägen zu dieser Zeit anstößige Geschichten enthielten.

Bild: Michael Rahnfeld