Stadtleben

Geislinger Friedhöfe

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Geislinger Friedhöfe

Kapazitäten, Kosten, Bestattungsarten

Wenn man von Amstetten in Richtung 5-Täler-Stadt bremst, tut sich auf der linken Seite das wohl berühmteste „Monument“ unserer Friedhöfe auf, die Straub’sche Grabkapelle. Wir haben das Grab vor ein paar Jahren einmal ausführlicher vorgestellt, haben uns aber letzten Monat ein paar Gedanken gemacht, wie viele Friedhöfe wir denn haben, wie es mit der Auslastung aussieht, wie die Buchungszeiten ausschauen und was es denn generell Wissenswertes über unsere letzten Ruhestätten gibt, die ja eher selten aufgesucht werden.

Die Stadt Geislingen an der Steige betreibt insgesamt neun Friedhöfe und ein Krematorium. Drei Friedhöfe befinden sich im Stadtgebiet (Friedhof Heiligenäcker am Oberböhringer Berg, Friedhof Geislingen im Rorgensteig und der Friedhof Altenstadt in der Friedensstraße). Dazu kommt jeweils ein Friedhof in den Stadtbezirken Aufhausen, Eybach, Stötten, Türkheim, Waldhausen und Weiler.

Vorneweg ist gesagt:

Auf allen Friedhöfen ist noch Platz. Das Sterben und Auflösen der Gräber hält sich die Waage. Ein weiterer Grund dafür ist, dass die Nachfrage nach Baum- und Urnengräber immer mehr steigt. Die einzige Ausnahme ist der Altenstädter Friedhof, welcher sehr begrenzt in der Fläche ist und durch zusätzlichen „Grabanbau“ dieser den parkähnlichen Charakter verlieren würde. Zur Info: Die Nutzungsdauer für ein normales Erdgrab liegt bei 18 Jahren. Beim Baumgrab sind es nur 15 Jahre. Natürlich besteht die Möglichkeit der Verlängerung, vor allem wenn es sich um Wahl-oder Reihengräber mit 2-4 Personen handelt. Die Gesamtruhezeit darf ab dem Tag der Beisetzung 30 Jahre nicht überschreiten.

Wir haben in Geislingen im Jahr zwischen 320 – 370 Bestattungen. Umgerechnet gibt es also pro Tag eine Bestattung – wenn man bedenkt, dass samstags und sonntags nicht bestattet wird, dann hat die achtköpfige Friedhofsmannschaft, die für alle Friedhöfe zuständig ist, ordentlich was zu tun. Der heutige Bestattungstrend liegt bei circa 60 Erdbestattungen und 310 Urnenbeisetzungen – das entspricht einem Verhältnis von 15/85. Vor 15 Jahren war das Verhältnis noch genau andersrum.

In Deutschland herrscht eine generelle Friedhofspflicht. Diese besagt, dass alle Überreste eines Toten (sowohl im Sarg oder auch die Asche) auf einem Friedhof begraben werden müssen. Die genauen Richtlinien für die Durchführung einer Bestattung in Deutschland sind im Bestattungsgesetz festgehalten, welches länderspezifisch ausgestaltet ist. Die einzelnen Bestattungsgesetze regeln neben den Fristen, etwa die Dauer bis der Leichnam beigesetzt werden muss, auch Vorschriften zum Transport des Verstorbenen sowie Regelungen zur Leichenschau.

Die Friedhofspflicht beinhaltet nicht nur die Vorschrift, dass ein Verstorbener auf einem Friedhof beigesetzt werden muss, sondern auch, dass die Hinterbliebenen nicht die Urne mit der Totenasche ausgehändigt bekommen dürfen. In Deutschland gibt es lediglich zwei Ausnahmen von der Friedhofspflicht. Die eine Ausnahme ist die Baumbestattung auf einem Waldfriedhof, die andere stellt die Seebestattung dar. Beide Bestattungsarten setzen eine vorherige Kremation des Verstorbenen voraus. Mit einer biologisch abbaubaren Urne wird bei der Baumbestattung die Totenasche in das Wurzelwerk eines Baumes beigesetzt. Bei der Seebestattung wird die Urne dem Meer übergeben.

Deutschland ist eines der wenigen Länder, in denen die Friedhofspflicht noch besteht. In vielen Ländern Europas ist sie bereits aufgehoben. Die Friedhofspflicht garantiert den Hinterbliebenen einen festen Ort, den sie zur Trauer aufsuchen können. Bei einer Abschaffung wäre dieser zentrale Platz nicht mehr vorhanden. Zudem wird mithilfe der Friedhofspflicht die fachgerechte Entsorgung der Überreste des Verstorbenen nach Ablauf der festgeschriebenen Ruhezeit garantiert.

Das Bestattungswesen ist auch in Geislingen und Umgebung einem Wandel unterworfen. Die traditionellen Erd- und Urnenbestattungen in Reihen- bzw. Wahlgräbern sind zwar immer noch am Häufigsten gefragt, trotzdem nehmen bundesweit anonyme Bestattungen genauso zu wie Bestattungen im Wald. Dieser Trend ist auch in Geislingen zu beobachten.

Der Grund ist nicht zuletzt darin zu suchen, dass immer mehr Angehörige durch Ortsabwesenheit oder andere Lebensumstände nicht in der Lage sind, auf Dauer eine Grabpflege zu gewährleisten. Oft wollen diejenigen, die sich für alternative Bestattungsformen interessieren, ihren Angehörigen anschließend „einfach nicht zur Last fallen“.

Baumbestattungen

Um diesem Trend zur Bestattung in Nähe des bisherigen Lebensmittelpunktes und in gewohnter Umgebung eines gepflegten Friedhofes entsprechen zu können, besteht auf allen Geislinger Friedhöfen die Möglichkeit der Baumbestattung. Die Baumbestattung unter einem Gemeinschaftsbaum ist eine besonders naturnahe Beisetzungsform, bei der der Kreislauf der Natur am Symbol eines Baumes wiedergegeben wird. Je nach Größe des Baumes können 50-80 Urnen pro Baum verwendet werden. Um die Baumbestattung von einer anonymen Bestattung zu unterscheiden, kommen gleich gestaltete quadratische Stelen zur Aufstellung, an denen einheitliche Namensschilder aus Bronze mit den Daten der Verstorbenen angebracht werden.

Manche Angehörigen können es sich jedoch schlecht vorstellen, nichts persönliches am „Grab“ anbringen zu können … Hier sollte man sich vorher informieren, da der ein oder andere den Verstorbenen doch gerne mit einer Blume zum Geburtstag oder Ähnlichem ehren möchte (das geht allerdings nicht aus Gründen wie beispielsweise dem Mähen des Rasens).

Muslime werden bei uns im Friedhof Heiligenäcker in speziellen Bereichen beigesetzt. Wurden die Toten für die Beerdigungen früher meistens noch in ihr Heimatland geflogen, nehmen heutzutage die Bestattungen am Geislinger Friedhof immer mehr zu.