Stadtleben

Geislinger Straßennamen

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Geislinger Straßennamen

Wer steht wofür?

Wisst ihr, wer Anton Ilg war? Oder Doktor Rau und Johannes Nißle? Wie sieht es mit Maria von Bosnien aus? Nein? Geislinger, die in Straßen wohnen, die nach diesen Herren und der Dame benannt wurden, werden sich vielleicht einmal auf die Suche nach den Namensgebern gemacht haben und wissen, wodurch die es sich verdient haben, in unserer schönen Stadt als Straßenname verewigt zu werden.

Wir haben die Namensgeber der Geislinger Straßen nun unter die Lupe genommen, da gegenwärtig in vielen Städten urplötzlich Kolonisten als Namensgeber einiger Straßen aufgetaucht sind. Natürlich waren diese auch vor George Floyds Tod schon da, aber da hat sich niemand daran gestört. Bei den Geislinger Straßennamen fiel uns glücklicherweise kein Kolonist auf. Die Geislinger Straßen haben viele bekannte Namensgeber wie Richthofen, Schubart, Stauffenberg, Stresemann und Karl Benz, die vielen garantiert ein Begriff sind. Aber es sind auch viele Namen dabei, die den wenigsten von uns geläufig sind und sich gefragt wird, warum hier jemand seinen eigenen Namen als Straßennamen verewigt bekommen hat.

Anton Ilg (1919-1995) beispielsweise war ein Name aus der jüngeren Vergangenheit, der vor allem in der MAG bekannt sein dürfte, da er hier Betriebsratsvorsitzender war. Außerdem engagierte er sich in der Kolpingfamilie und der IG Metall. Später trat er der CDU bei und saß im Gemeinderat bzw. Kreisrat des Landkreises Göppingen. Er wurde 1977 mit dem Großen Verdienstkreuz der BRD geehrt und bekam 1984 die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Er war also jemand, der sich um die Stadt und unseren Landkreis redlich verdient gemacht hat.

Ganz anders als bei Wolfgang Thomas Rau (1721-1772), dem Doktor Rau aus dem Straßennamen. Selbst die Älteren werden den nicht mehr gekannt haben, denn er lebte bereits im 18. Jahrhundert in Geislingen. Wie der Name schon vermuten lässt, war der gute Doktor Rau Mediziner. Aber damit nicht genug, er verfasste auch diverse Schriften zu medizinischen Themen, vor allem der Seuchenbekämpfung und engagierte sich sehr für die gesundheitliche Überwachung und Aufklärung der Bevölkerung. Im Jahre 1747 übernahm er die Amtsarztstelle in Geislingen.

Nun zu Johannes Nisle (1735-1788). Auch er hat eine Straße in Geislingen bekommen und kein Mensch wird vermutlich wissen, wer der Herr war. Er lebte ebenfalls im achtzehnten Jahrhundert und wurde sogar in Geislingen geboren. Nisle (Nüßle) war Komponist und Musiker. In seinen jungen Jahren verpflichtete er sich in der Württembergischen Garde in Stuttgart und Ludwigsburg, später war er Mitglied der Württembergischen Hofkapelle Carl Eugens. Als Mitglied dieser Kapelle musizierte er in vielen Adelshäusern und gelangte daher zu Ansehen und Ruhm. Er spielte die Oboe, wie auch das Horn.

Eine der wenigen Frauen, die in Geislingen mit einem Straßennamen bedacht wurden, ist Maria von Bosnien (1353-1403). Diese Dame lebte noch wesentlich früher als oben genannte Herren, nämlich im vierzehnten Jahrhundert. Sie war wohl die bekannteste Frauengestalt im Helfensteinischen Grafengeschlecht und Gemahlin des Ulrichs V. Ihr wurde oft nachgesagt, sie habe mit ihrer Verschwendungssucht das Haus Helfenstein in den Ruin getrieben. Dies ist aber heute widerlegt, denn es waren eher ökonomische, politische und soziale Umstände, die zum Untergang geführt haben. Aber natürlich wird hier, wie immer, gerne den Damen der schwarze Peter zugeschoben. Sicher ist aber, dass auf sie die Stiftung des Wiesensteiger Spitals zurück geht und auch in Bad Überkingen soll sie karitativ gewirkt haben. Alles in allem scheint die Dame also nicht verkehrt gewesen zu sein.

Wie man sieht, wer sich engagiert und etwas bewegt, dem wird unter Umständen vielleicht die Ehre zuteil, Namensgeber einer Geislinger Straße zu werden. Leider sind die Geislinger Straßen immer noch hauptsächlich Männernamen und bei weitem zu wenige weibliche Namen vertreten. Vielleicht in naher Zukunft, denn während die Männer sich vielleicht für die Stadt engagieren, halten ihre Frauen ihnen den Rücken frei und machen die Werke der Gatten so erst möglich.

Eure Andrea