Stadtleben

Geislinger übernehmen Patenschaft für Flutopfer

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Geislinger übernehmen Patenschaft für Flutopfer

Hilfe ausm Ländle

Am 24. Juli fuhr ein kleiner Trupp aus Geislingen und Umgebung das erste Mal ins Katastrophengebiet. Die guten Seelen hatten Spenden verteilt, auf einem Campingplatz angepackt und zwei Häuser in Ahrbrück von Schlamm und Trümmern befreit. Erschlagen von den Eindrücken der Zerstörung, erschöpft vom Anpacken, müde aber glücklich ging es in der Nacht wieder in die Heimat. Und alle waren sich einig: Wir kommen wieder.

Über die sozialen Medien wurden sie auf den Hilferuf eines freiwilligen Helfers aufmerksam. Timo Gößner bat dringend um Unterstützung für Vater Volker und seine 13 Jahre alte Tochter Mia, die in der Flutnacht fast alles verloren hatten. Die Zwei wohnen in Mayschoß, einem kleinen Winzerdorf des Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. Im Haus stand das Wasser in der Nacht vom 14.07.21 bis zur Mitte des 1. Obergeschosses, der Anbau wurde komplett geflutet. Zehn Tage lang waren die Bewohner von Mayschoß auf sich alleine gestellt, da die Straße, welche sich an der Ahr entlangschlängelt, unterspült, abgebrochen und somit nicht mehr befahrbar war.

„Also haben wir Kontakt zu Timo aufgenommen, eine Whatsapp Gruppe gegründet und versucht, uns mit Hilfe von Fotos und Videos einen Eindruck von der Situation vor Ort zu machen. Schnell war klar, wir wollen hier langfristig helfen und haben kurzerhand eine Patenschaft übernommen. Vollgepackt mit Werkzeug, Lebensmitteln und Spenden für die Zwei haben wir uns am Wochenende wieder auf den Weg ins Ahrtahl gemacht. Es war gar nicht so einfach, den provisorisch asphaltieren Waldwege über die Weinberge ins Dorf zu finden, zumal wir uns zu sechst mit unserem ganzen Krempel in ein Auto gequetscht hatten. Die Feuerwehr war jedoch so lieb und hat uns kurzerhand in die Mitte ihrer Einsatzfahrzeuge genommen.

So ist das vor Ort. Man hilft sich gegenseitig, egal ob THW, Feuerwehr, Bundeswehr oder freiwillige Helfer. Die Einsatzkräfte sind dankbar für die helfenden Hände der Freiwilligen, denn ohne würde es nicht gehen. Endlich waren wir bei Volker angekommen und die eigentliche Arbeit begann. Im Haus stand noch kniehoch Schlamm und der Hausrat war kreuz und quer verteilt. Zwei Tage hatten wir Vollgas gegeben: Schlamm geschaufelt, Hausrat rausgeschleppt, Putz abgeschlagen, Böden raus und Holzdecken runter gerissen, Estrich gestemmt, Fliesen und die Bäder rausgeschlagen, das Dach vom Anbau abgedeckt und und und. Auch hier haben Einsatzkräfte immer wieder geholfen, selber mit angepackt oder tonnenweise Schutt weggefahren.

Nach und nach kamen weitere Helfer dazu und haben sich unserem „Projekt“ angeschlossen und sind nun Teil unserer Truppe. Das Haus und der Anbau müssen jetzt erstmal trocknen. Unser nächster Einsatz ist bereits geplant, dann soll der Anbau ein neues Dach bekommen und mit Blick auf den Herbst schnellstmöglich wieder bewohnbar werden. So schlimm die ganze Situation ist, es gibt auch positive Seiten. Die Menschen schöpfen Hoffnung, man lacht viel gemeinsam, trinkt nach getaner Arbeit noch zusammen ein Bierle oder eine Dosen Hugo und so entstehen mitten im Katastrophengebiet neue Freundschaften. Die Hilfsbereitschaft, die Solidarität und diese unglaubliche Menschlichkeit vor Ort ist der Wahnsinn. Man kann es nicht beschreiben, man muss es einfach erlebt haben. Und ja … natürlich macht es auch Spaß, mit einem Presslufthammer rum zu hantieren. Man kann schließlich nicht mehr viel kaputt machen.

Vielleicht hast du ja auch Lust dich bei uns mit einzubringen? Gerne könnt ihr unsere Arbeit unter www.gliu.de oder auf Insta unter gliu.crew verfolgen.“