Stadtleben

Geislinger Wälder und der Klimawandel

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Geislinger Wälder und der Klimawandel
Die grüne Lunge

Geislinger Wälder und der Klimawandel

Zeit, die man im Wald verbringt, ist niemals verschwendete Zeit. Das denken auch viele Geislinger, wenn sie in die Wälder rings um unsere schöne Stadt gehen, um zu wandern, Rad zu fahren, mit dem Hund laufen oder einfach nur ihre Ruhe vor der lauten Welt in der Stadt unten haben wollen. Den meisten Geislingern sind die Wälder um unsere Stadt lieb und teuer, aber das Ökosystem Wald ist durch die heißen Sommer in den letzten Jahren ziemlich aus dem Gleichgewicht geraten. Unterhalb des Helfensteins beispielsweise sind 20-50% der Buchen bereits tot. Und tot heißt hier nicht nur das Laub abgeworfen, wie es bei Trockenheit hin und wieder mal vorkommt, und nächstes Frühjahr geht’s weiter, sondern richtig tot.

Buchen brauchen nämlich eine hohe Luftfeuchtigkeit und ausreichend Niederschlag. Wegen der Trockenheit sind vielfach die Bodenwasserspeicher nicht aufgefüllt. Dieser Wassermangel schädigt die Buchen und deren Wurzelwerk, da die Bäume nicht mehr genügend Feinwurzeln nachbilden können. Diese wären aber für die Wasserversorgung der Baume erforderlich. Und leider können auch Buchen einen Sonnenbrand bekommen. Dann reißt die Rinde auf und öffnet damit Insekten und Pilzen Tür und Tor.

Aber auch die heimische Esche hat es gegenwärtig sehr schwer. Seit einigen Jahren wird sie von einem Europaweiten Eschentriebsterben bedroht. Hier ist der Verursacher ein Pilz der den absolut verniedlichenden Namen „Falsches Weißes Stengelbrecherchen“ trägt, ist er doch am Sterben vieler vor allem junger Eschen maßgeblich beteiligt. Er bildet im Sommer auf den am Boden liegenden Blattspindeln Fruchtkörper aus. Diese entlassen dann Sporen, die mit dem Wind bis zu den neuen Blättern im Baum ziehen. Der Pilz wächst nun ausgehend von den befallenen Blättern über die Pflanzenstiele in das unverholzte Mark von Zweigen und Trieben. Erst wenn der Pilz das Mark erfolgreich besiedelt hat, wächst er in den bereits verholzten Bereich weiter. Ältere Eschen zeigen einen eher chronischen Verlauf, da sie mit verstärktem Neuaustrieb reagieren können. Doch zeigt sich auch hier der Befall deutlich an einer Kronenlichtung, die zur Architekturveränderung der Kronen führen kann. Dies führte in den letzten Wintern auch zu Schneebruch bei vielen der Bäume. Zusätzlich werden die Alteschen geschwächt und sind wesentlich anfälliger für witterungsbedingte Stressereignisse, wie Trockenheit und andere Organismen, die den Baum schädigen oder gar töten können.

Unseren Nadelbäumen, wie den Kiefern und Fichten macht gegenwärtig der Borkenkäfer, insbesondere Buchdrucker und Kupferstecher, das Leben schwer. Der Buchdrucker ist dabei besonders hinterhältig. Zunächst fliegen sogenannte Pionierkäfer ihre Wirtsbäume an. Beim Einbohren in die Rinde lösen die einen Harzfluss aus, der einzelne Käfer tötet. Wie die Käfer das ausknobeln, wer hier als sogenanntes Kanonenfutter sein Leben opfern muss, ist allerdings nicht bekannt. Doch wenn dann viele Tiere auf einmal angreifen, kommt der Harzfluss zum Erliegen und der Baum hat verloren. Denn diese eingebohrten Käfer erzeugen auch noch Lockstoffe für ihre Artgenossen, wodurch es nun zum massiven Befall kommt. Die Insekten bohren Gänge zur Eiablage und die Laven fressen dann die saftführenden Bastschichten. So kappen sie die Lebensader der Bäume.

Klimawandelleugner werden nun mit den Augen rollen und keinen Zusammenhang zwischen dem Waldsterben und dem Klimawandel erkennen wollten. Doch es ist so, dass Pilze und Borkenkäfer natürlich besonders leichtes Spiel haben, wenn ein Baum wegen einer anhaltenden Trockenheit geschwächt ist. Bäume, die keinen witterungsbedingten Stress zu verkraften hatten, würden mit diesen Bedrohungen wesentlich besser fertig werden. Aber Bäume, die, wie am Beispiel des Geislinger Waldes, im letzten Jahr 500 Liter pro Quadratmeter weniger Wasser zur Verfügung hatten, müssen mit ihren Ressourcen sparsam umgehen, um überleben zu können. Diese 500 Liter weniger, als in den vergangenen Jahren, wären eigentlich nicht das Problem, wenn der Wald dieses Wasser in regelmäßigen Abständen zur Verfügung hätte, doch lange Trockenperioden stressen die Bäume ungemein. Zu dem ist unser Geislinger Boden auch nicht gemacht für länger Trockenzeiten. Die lehmige Erde nimmt das Wasser schlecht auf und gibt es auch nur schwer wieder ab. Und wenn es nach längeren Trockenperioden dann zu Starkregen kommt, fließt das Wasser auf dem trockenen Bode oft zu schnell ab, um den Boden ganz durchzunässen.

In den Hängen rund um Geislingen befinden sich zu dem ganze Bänder, wo der Boden besonders lehmig ist. Dort sind die darauf wachsenden Bäume bereits tot oder dem Tode geweiht. Wer von der Wilhelmshöhe aus hinüber blickt in Richtung Helfenstein, kann das Ausmaß des Klimawandels, hier in Geislingen gut erkennen, so er das denn möchte. Aber der Wald wird uns alle vermutlich überleben, irgendwie. Denn weniger Individuen heißt, mehr Wasser und Nährstoffe für jeden einzelnen Baum, der überlebt hat. Die Zusammensetzung der Wälder wird sich verändern. Es gibt Baumarten, die mit dem veränderten Klima besser zurecht kommen, als die, die in diesen Tagen sterben. Was nicht heißen soll, dass wir alle weiter machen können, wie bisher, ohne groß über den Wald nachdenken zu müssen, denn bis sich der Wald dahingehend verändern kann, gehen viele Jahrzehnte ins Land, soetwas passiert nicht von heute auf morgen. Und leider stellen die Wälder gegewärtig auch eine Gefahr für Wanderer und Spaziergänger dar, da viele Bäume tot und daher nicht mehr standfest sind. Während Buche und Fichte auch nach ihrem Ableben noch standfest bleiben, können Eschen einfach umfallen.

Es besteht auch die Gefahr von herabfallenden Ästen getroffen zu werden, wenn die Wander- und Feldwege verlassen werden. Daher sollte beim Betreten der Wälder darauf geachtet werden, dass die ausgewiesenen Wege nicht verlassen werden, da hier sorgfältig von den Mitarbeitern des Forstreviers darauf geachtet wird, diese sicher zu machen. Übrigens gilt im Wald immer Betreten auf eigene Gefahr, denn der Waldeigentümer ist nicht verantwortlich, wenn einem Wanderer oder Spaziergänger in seinem Wald etwas zustößt. Und es dürfte jedem klar sein, dass nicht alle abgestorbenen Bäume sofort nach deren Ableben aus den Wäldern entfernt werden können. Das geht schon aus Gründen des Artenschutzes gar nicht.Beispielweise sind am Türkheimer Berg einige Fichten durch den Borkenkäfer abgestorben. Nun brüten dort aber seit Jahren die Fischreiher. Also kann während der Brutzeit der majestätischen Vögel natürlich kein Baum gefällt werden. Darum werden die toten Bäume hier erst herausgenommen, wenn die Brutzeit vorbei ist und die Jungvögel ausgeflogen sind.

Dennoch muss niemand auf den Waldspaziergang verzichten, er bleibt weiterhin eine kleine Erholung vom Alltag und sollte auf jeden Fall immer wieder genossen werden. Aber wir müssen uns auch bewußt sein, dass der Wald und die Natur im allgemeinen ein Geschenk ist, auf das wir acht geben müssen.
Eure Andrea