Stadtleben

Warum wir Wiesen mähen?

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Warum wir Wiesen mähen?

BNAN – Bezirksgruppe Geislingen

Inzwischen wird weltweit festgestellt, dass fast alle Insektenarten dramatisch abnehmen – wir reden hier nicht vom Aussterben einzelner Arten, sondern vom Verlust der Anzahl der Insekten allgemein (die Biomasse der Insekten hat in vielen Gegenden Deutschlands um 60 – 80 % abgenommen)! Dieses Thema ist in Politik und Presse trotz Corona immer noch präsent und es fanden diesbezüglich viele Demonstrationen und Bürgerbegehren statt.

Wiesen Kreuzenzian

Schon vor über 40 Jahren hat der BNAN erkannt, dass in den Feldfluren die Blumenwiesen zunehmend verschwinden und durch den Nahrungsmangel unsere Insekten verhungern werden – und mit ihnen alle Organismen, die auf sie als Nahrungsgrundlage angewiesen sind. Darum begannen wir um das Jahr 1980 Wiesen zu kaufen, die von den Bauern nicht mehr bewirtschaftet wurden und fingen an, sie nach der alten Methode der Einmähderwirtschaft zu mähen. Viele tausend Stunden wurden seither aufgewendet, um unsere Wiesen je nach Typ zur Steigerung des Blütenreichtums zu pflegen.

Hierbei galt es, sich an die alten Bewirtschaftungsformen heranzutasten, denn die Bauern füherer Zeiten haben uns keine Tagebücher hinterlassen, in denen sie ihr Tun und Lassen aufgezeichnet haben. Immer wieder hinterfragen wir unsere Art und Weise der Wiesenpflege, um Fehlentwicklungen entgegenwirken zu können und den Artenreichtum der Biotope zu erhalten bzw. zu erhöhen. Ein wichtiges Thema ist heutzutage ohne Zweifel die Erwärmung des Klimas – sie bedingt in unseren Breiten u. a. eine längere Vegetationsperiode und somit auch längere Aktivität der tierischen Bewohner, vor allem der Insekten, unserer Grundstücke; deshalb stehen Mähtermine immer in der Diskussion und werden gegebenenfalls verschoben, damit die ohnehin nahrungsärmere Zeit in Spätsommer und Herbst bis zum Eintritt der Winterruhe von der Fauna überstanden werden kann.

Ein Beispiel – die Kuhbergwiese bei Nenningen

Wiesen Kuhbergwiese

Wir mähen die ehemalige bäuerliche Mähderwiese seit 1989 jährlich, meist Mitte August, und räumen das Gras ab. So wurde die Wirtschaftswiese in eine artenreiche Magerwiese verwandelt. Der zusätzliche Entzug der Düngung verwandelte unsere Kuhbergwiese in eine wunderbare Blumenwiese mit vielen Insekten. Vor allem konnten wir den Kreuzenzian, die Wirtspflanze des Kreuzenzian-Ameisenbläulings, erhalten und den Bestand steigern.

Unsere Bemühungen um die Mähder zielen vor allem auf die Zukunft: Wir verstehen sie als Arche Noah für Zeiten, in denen ein hoffentlich geändertes Bewußtsein des Menschen der Artenvielfalt wieder Raum bieten kann in einer Landschaft, die nicht nur dem schnellen Profit dienlich sein muss, sondern unseren Mitgeschöpfen Lebensgrundlage bietet – um ihrer selbst Willen und auch als Grundlage und Bereicherung des menschlichen Daseins.

Wiesen Schmetterling

Um auf unseren Grundstücken auch weiterhin eine adäquate Pflege im Sinne der Erhaltung und Steigerung der Biodiversität sicherzustellen, ist jede helfende Hand willkommen. Wer also nicht nur schwätzen, sondern aktiv für unsere heimische Natur tätig werden will, ist herzlich eingeladen, uns bei unserer ehrenamtlichen Arbeit zu unterstützen – inklusive gesunder Bewegung an der frischen Luft in großartiger Natur und herzhaftem Vesper. In Zeiten von Corona natürlich mit entsprechendem Abstand und Schutzmaßnahmen.

Die Termine und Treffpunkte für unsere Pflegeeinsätze finden Sie auf unserer Homepage – einfach www.bnan-geislingen.de ansteuern und unter der Rubrik Termine nachschauen. Wir würden uns freuen, das ein oder andere neue Gesicht auf unseren wundervollen Grundstücken begrüßen zu dürfen!

Markus Bernath

Fotos: BNAN – BG-Geislingen/Steige