Stadtleben

Kein Geld für Pflegekräfte

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Kein Geld für Pflegekräfte

Bonuszahlung

Versprochen ist versprochen, sollte man meinen. Dies gilt allerdings nur selten, wenn Minister/innen sich vor ein Mikrophon stellen und Zusagen machen. Jeder von uns ist da doch eher skeptisch und denkt sich „abwarten…“ Was allerdings von Gesundheitsminister Spahn im April versprochen wurde, damit haben unsere Pflegekräfte, denen wir alle zu Beginn der Corona Pandemie noch eifrig applaudiert haben, nun aber irgendwie schon gerechnet, denn hey, jeder hat es gehört, was hier in die Kamera gesagt wurde.

1000 Euro für Pflegekräfte, die während der Pandemie ihr Leben aufs Spiel setzt und zur Arbeit geht. Danke Herr Spahn, war bitter nötig, diesen Menschen auch mal etwas außer Applaus zukommen zu lassen, als Anerkennung für ihren unermüdlichen Einsatz.

Relativ schnell wurde dann klar, Pflegekräfte ja, aber nur Pflegekräfte, die in der Alten- oder der Mobilen Pflege arbeiten. Als Erklärung hierfür wurde die ungleiche Bezahlung von Krankenpfleger/innen und Altenpfleger/innen genannt. Letztere wären ja ohnehin benachteiligt, durch ihr geringeres Gehalt. Als ob die Pfleger/innen in den Krankenhäusern den Bonus nicht nötig hätten oder überbezahlt wären.

Daher zahlt nun der Staat nur für diese Berufsgruppe die Bonuszahlung. Dabei gibt es mittlerweile nur noch eine Berufsbezeichnung für beide: Pflegefachfrau/mann. Ausgebildet wird gleich, erst im dritten Jahr kann der Auszubildende sich dann spezialisieren, also einen Abschluss in Altenpflege oder Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger/in wählen. Dennoch lernen alle die Pflege von Kranken, Alten und Kindern. Daher absolut unverständlich, hier bei der Bonuszahlung dann Unterschiede zu machen.

Aus den Alb Fils Kliniken vernehmen wir, ja, die Kliniken zahlen freiwillig einen Bonus, zwischen 25 Euro und 500 Euro, aber nur denjenigen, die in den Kohortenbereichen (der Bereich, in die dem die Covid 19 Patienten liegen) eingesetzt waren, entsprechend ihres Einsatzumfangs. Alle anderen gingen leer aus, obwohl sie auch mit Menschen gearbeitet haben. Menschen, die u.U. auch mit allerlei Krankheiten ansteckend waren, denn schließlich gibt es ja nicht nur den Corona Virus, mit dem sich ein Mensch infizieren kann. Leider wird das gegenwärtig oft vergessen.

Danke für den Applaus, aber …

Auch der Applaus wurde von den Schwestern und Pflegern der hiesigen Kliniken anfangs gerne angenommen. Als jedoch klar wurde, dass sie bei den versprochenen Bonuszahlungen leer ausgehen würden, wirkte es eher wie Respektlosigkeit, Verspottung, Verhöhnung, ein Schlag ins Gesicht.

Während der ersten Welle hatte das Pflegepersonal in unseren Kliniken natürlich wie wir alle Angst. Vor allem auch die Angst um die Angehörigen, Eltern, Lebensgefährten, Kinder, war groß, oft größer, als die Angst vor einer eigenen Ansteckung, was bei Menschen, die andere Menschen pflegen, relativ normal ist.

Die Akut-Patientenzahl hat sich in der ersten Zeit der Pandemie drastisch reduziert, allerdings kamen dafür sehr viele Pflegefälle aus den Altersheimen in die Krankenhäuser. Das lag vermutlich vor allem daran, dass die Pflegeheime angewiesen wurden, Bewohner beim ersten Anzeichen von Symptomen sofort ins Krankenhaus bringen zu lassen. Das diente vor allem dem Zweck, die anderen Bewohner, allesamt natürlich schon alleine ihres Alters wegen, Risiko-Patienten, vor einer Ansteckung mit Covid-19 zu schützen.

Nun hatten die Pfleger/innen zwar weniger Akut-Patienten, aber dafür jede Menge Menschen, die wesentlich intensiver betreut, gelagert, gewaschen und gefüttert werden mussten. Nur für die, die immer noch glauben, wegen der wenigen Corona Fälle in Deutschland hätten die Mitarbeiter der Krankenhäuser nichts zu tun gehabt, sich gar gelangweilt. Nein, so war es nicht.

Daher kann es nicht angehen, dass wir in unseren Homeoffices dem Virus aus dem Weg gehen konnten, während hier andere unsere Schlachten schlugen, sprich, sich um uns und unsere Angehörigen kümmerten. Es geht doch nicht nur um diesen Bonus, es geht in erster Linie um Anerkennung, das Begreifen, wie wichtig Menschen sind, die sich um unser Wertvollstes, unsere Gesundheit und die unserer Familien kümmern.

Eure Andrea