Stadtleben

koi vs. Hobby-Virologen

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koi vs. Hobby-Virologen

Masken & die Vorurteile, die sie mit sich bringen

Wir befassen uns wieder einmal mit dem Thema Masken und versuchen am Beispiel eines zur Zeit immer wieder geteilten Beitrages auf Facebook ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen. Liebe Möchtegern-Mediziner, Hobby-Virologen und YouTube-Akademiker: Das ist gefährlich, da sich Fake-News schnell zu vermeintlichen „Fakten“ entwickeln. Ein derzeit oft geteilter „Medizinischer Beitrag“ behauptet, dass sich unter dem Mund-Nasen-Schutz CO2 ansammelt und für den Träger gefährlich wird. Das ist falsch!

Das Thema Masken bzw. Mund-Nasenschutz ist bei vielen Nutzern noch immer ein sehr großes Thema (ich selbst vergesse das Ding ständig und darf dann umkehren, um dann anschließend einzukaufen, aufs Amt zu gehen oder das Paket abzuholen – von Gewöhnung bin ich noch meilenweit entfernt!).

Der Beitrag als Wortlaut:
„Ihr lieben Freunde, die Woche wollte ich mal wissen was sich in meiner Atemmaske so ansammelt, wenn man diese den ganzen Tag trägt. Eine 7-stündige Zugfahrt war hierfür ideal. Abends zurück habe ich einen Abklatsch von der Innenseite der Maske auf Gesamtkeimzahl durchgeführt und nach 24 h im Brutschrank folgendes Ergebnis erhalten: das pure Leben! Gesunde Menschen klagen unter folgenden Symptomen: Atemnot durch Einatmen des ausgeatmeten CO2, Beschlagen der Brille, Bronchialbeschwerden, Gerstenkorn, Hautjucken und Hautrötung. Angeblich sollen uns diese Masken schützen! Leider ist das Gegenteil der Fall!“

Ok liebe Hobby-Virologen, schauen wir uns doch mal deine Aussagen an:

Faktencheck: Die Maske / der Mund – Nasenschutz ist nicht dafür gedacht, dass „UNS“ die Maske schützen soll, sondern das Gegenüber. Also: Diese Masken werden getragen, um andere Personen vor unseren Speichel- oder Schleimtröpfchen zu bewahren. Sie schützen den Träger auch davor, sich mit infizierten Händen selbst in diese Gesichtsregion zu greifen. So weit so gut!

Aussage: „Eine 7-stündige Zugfahrt war hierfür ideal.“
Faktencheck: Eine Einwegmaske ist nicht für eine 7-stündige Tragezeit geeignet, sondern für circa 2 Stunden, Baumwolle funktioniert circa 4 Stunden. Das Entscheidende dabei ist aber immer die Durchfeuchtung.

Aussage: „…auf Gesamtkeimzahl durchgeführt und nach 24 h im Brutschrank dieses Ergebnis erhalten: das pure Leben!“
Faktencheck: Das ist logisch. Man findet immer Keime die sich so vermehren lassen. Das entscheidende dabei ist, um welche Keime es sich hierbei handelt. Keime sind auch notwendig und Keime haben wir alle in uns. Und welche Keime sind das überhaupt?

Aussage: „Atemnot durch Einatmen des ausgeatmeten CO2“
Faktencheck: Ja es stimmt, dass die Aufnahme von CO2 zwar etwas erhöht ist. CO2 ist ein sehr flüchtiges Gas, welches durch eine solche Maske definitiv nicht aufgehalten wird. Steigt die CO2 Sättigung im Körper, steigt der Atemantrieb. Bei hohen CO2 Konzentrationen im Körper würden wir Atemnot bekommen und spätestens dann die Maske ablegen.

Aussage: „Beschlagen der Brille“
Faktencheck: Logo! Beim Tragen einer Maske entweicht die warme Atemluft nicht geradeaus durch die Maske, sondern auch nach oben und zwar an den Brillengläsern vorbei. Die Brille ist beschlagen. Hier sollte man dem eingebauten Metallbügel korrekt auf dem Nasenrücken fixieren. Ist kein Bügel vorhanden, dann bitte zuerst die Maske – und danach die Brille aufsetzen. Ansonsten gibt’s noch Anti-Beschlag-Beschichtung oder eben das Spray.

Aussage: „Gerstenkorn“
Faktencheck: Ein Ausbruch von Augenherpes durch Tragen eines Mundschutzes wäre nur dann möglich, wenn man bereits aktuell Herpesbläschen an den Lippen hat. Allerdings ist dies laut dem Pressesprecher des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands (BVA) sehr unwahrscheinlich.

Aussage: „Hautjucken“
Faktencheck: Nach einer Tragezeit von 7 Stunden, wie im Beitrag auf Facebook angegeben, dürfte es logisch sein, dass es zu einem Hautjucken kommt.

Aussage: „Hautrötung“ sowie „Pickebildung“
Faktencheck: Ja das kann stimmen. Unter der Maske kann sich nach 7 Stunden Fett, Schweiß, Schmutz ansammeln. Dies wiederum kann zu diversen Ausschlägen, Hautunreinheiten oder Pickeln führen.

Übrigens: Mediziner und Pflegende tragen seit Jeher Masken im OP, auf der Intensivstation oder in Bereichen mit Risikopatienten, teilweise eine komplette Schicht lang, ohne Schäden davon zu tragen.