Stadtleben

Materialengpässe am Bau

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Materialengpässe am Bau

Wölpert – Niederlassungsleiter Marc Barth klärt auf

Materialengpässe am Bau – diese oder ähnlich Schlagzeilen lesen wir gerade überall. Wer aber gerade dabei ist, sich in Sachen Eigenheim zu erweitern, der Hausumbau ansteht oder eben einfach Material für was auch immer benötigt, der wird am eigenen Leib erfahren, wie exponentiell die Preise gestiegen sind – falls das Material überhaupt erhältlich ist.

Wir konnten mit dem Niederlassungsleiter Marc Barth der Wölpert GmbH in Kuchen sprechen, der uns die Situation folgendermaßen erklärte:
„Das ist momentan eine sehr komplexe Situation, von der eigentlich jeder betroffen ist. Zum einen sind die Folgen der Corona-Pandemie spürbar, zum anderen sind viele unserer Grund- und Rohstoffe Teil einer weltweit verzweigten Lieferkette. Kurzfristige Ereignisse wie Unfälle oder Naturkatastrophen – und seien sie am anderen Ende der Welt – wirken sich dann sehr schnell und gravierend auf unseren Markt aus. Es herrscht momentan eine hohe Nachfrage bei niedrigen Produktionsmengen und Warenverfügbarkeit.

Bedarfsmengen schießen in die Höhe, Lieferströme geraten dadurch plötzlich aus dem Gleichgewicht. Es fehlt Ware!
Die Gründe sind vielschichtig und somit können manche Produkte einfach nicht mehr hergestellt werden. Beispielsweise Wachs als wesentlicher Bestandteil in OSB -Platten und anderen Holzwerkstoffen ist nun plötzlich knapp verfügbar. Dies gab es in den vergangenen 30 Jahren noch NIE.

Der Grund liegt an der weltweiten Abstellung vieler Raffinerien aufgrund der starken Reiseeinschränkungen (Kerosin -80%, Benzin -40%) – dadurch fallen viele Nebenprodukte (so auch die zur Herstellung von Wachs) nicht mehr an. Gleichzeitig steigen die Preise für die verfügbaren Mengen rasant an – wer am meisten zahlt ist möglicherweise im Vorteil. Im globalen Markt enstehen dynamische Prozesse, mit denen noch bis vor kurzem niemand gerechnet hatte. Verlagerungen der Verfügbarkeiten sind die Folge. Die teilweise extremen Preisunterschiede je Region (kontinental) lassen Produkte mit geringem Wert plötzlich einmal um die halbe Welt reisen, europäische Produktionen stehen im Wettbewerb mit bspw. chinesischen oder amerikanischen Werken.

Im letzten Jahr wurden als Folge der Corona-Pandemie in vielen Bereichen international Kapazitäten reduziert oder stillgelegt. Lieferketten wurden in der Folge heruntergefahren. Die rasche Erholung in Teilen der Weltwirtschaft – insbesondere in China – sorgt zuletzt für eine schnell steigende Nachfrage in vielen Bereichen. Diese hohe Nachfrage trifft auf eine wenig gefüllte Lieferkette – das gilt für nahezu alle Branchen und Rohstoffindustrien. Die Folge: zunehmende Lieferzeiten.

Das Bestellverhalten ändert sich massiv und befeuert zusätzlich die Engpasssituation. Die Schifffahrt auf den Weltmeeren kann das enorm steigende Frachtaufkommen kaum bewältigen. Massiv betroffen sind die Container-Verkehre aus Asien nach Europa. Container sind knapp und die Seefrachten explodieren. Die Lade-und Entladezeiten in den Häfen und damit die Transportzeiten verlängern sich deutlich. Dazu kam dann noch der Schiffsunfall auf dem Suezkanal, der für wochenlange Verspätungen im Containerverkehr und in der Folge zu Staus in den Zielhäfen geführt hat.“

Wo hohe Nachfrage auf ein geringes Angebot trifft, klettern die Preise. Neu sind die Dimensionen dieser Preissteigerungen für die gesamte Baustoffindustrie. Das betrifft nahezu alle relevanten Bereiche.

„Was wir von Wölpert jedoch versichern können: Dank unseres weltweit vernetzten Einkaufs sind wir und unsere Zulieferer frühzeitig über Störungen in der Lieferkette informiert. Wir setzen täglich alles daran um gegenzusteuern und – wenn möglich – alternative Beschaffungsquellen zu nutzen. Die Liefersicherheit für unsere Kunden hat natürlich höchste Priorität.“

Bild: J. Chalabala /123RF.COM