Stadtleben

Redewendungen

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Redewendungen

Woher kommt was?

„Einen Pferdefuß haben“, „Auf der Leitung stehen“, „Eine Leiche im Keller haben“ – bei vielen Redewendungen haben wir sofort ein schräges Bild im Kopf. Fast täglich nutzen wir solche Formulierungen, ohne es zu merken. Ein Grund für uns die geflügelten Worte genauer „unter die Lupe zu nehmen“. Woher kommen diese Phrasen? Was wollen sie uns sagen? Wir haben uns mal ein paar Redewendungen (auch ein komisches Wort) herausgeschrieben, die uns in letzter Zeit beschäftigt haben.

1. Des kannsch du halda, wie seller auf em Dach!

Das kannst du halten wie  der auf dem Dach

Der Ausdruck bedeutet, auf eine Frage keine eindeutige Antwort geben, bzw. keine konkrete Empfehlung auszusprechen. Er kommt daher, weil zur Jahrhundertwende die Dachdecker (die auf dem Dach) nicht kontrollierbar waren, da keiner der Bauherren den Mut hatte, aufs Dach zu klettern um nachzusehen, ob alles in Ordnung ist. Interessant!

2. Warum wünscht man jemandem „Hals- und Beinbruch“?

„Hals- und Beinbruch“ wünscht man einer Person, die vor einer schwierigen oder gefährlichen Aufgabe steht. Kurzum: Das Vorhaben soll erfolgreich sein.

Wieso? Ist die Redewendung als Warnung zu verstehen? Oder als Aufforderung, alles zu geben – bis auf die Knochen? Nein. Zugrunde liegt der jiddische Ausdruck „Hazlóche un Bróche“. Und das heißt: „Glück und Segen“. Die Wunschformel wurde ins Deutsche übertragen und der Sinn beibehalten. Klingt nach einem Übersetzungsfehler, ist aber gut gemeint. (Aus der hebräischen Sprache stammen auch noch andere Ausdrücke, die eingedeutscht wurden: „Malochen“ geht auf „Malakha“ (Werk, Arbeit) zurück. Und „Schmiere stehen“ auf „Schmira“ (Wache).)

3. Wieso sagt man „beleidigte Leberwurst“?

Eine „beleidigte Leberwurst“ ist eine Person, die schmollt. Oft unterstellt der Ausdruck, dass es eigentlich gar keinen Grund gibt, gekränkt zu sein. Deswegen sagt man auch: Jemand spielt die beleidigte Leberwurst. Weiß jeder. Gefühlssache? Ja. Im Altertum und Mittelalter glaubte man, die Leber sei der Sitz der Emotionen. Vor allem Zorn wurde hier vermutet.

Wenn jemand also verärgert war, hatte er demnach eine beleidigte Leber. Die deutsche Redensart „Jemandem ist eine Laus über die Leber gelaufen“ hat übrigens den gleichen Ursprung. Das kleine unscheinbare Tierchen steht für die Nichtigkeit, über die man sich in dem Fall aufregt. Aus Alt mach Neu! Nachdem die ursprüngliche Vorstellung von der Leber als Gefühlszentrum verlorengegangen war, kam die Wurst ins (Wort)spiel. Nachträglich erfand man diese Erzählung: Ein Metzger kochte Würste und nahm die Leberwurst als letztes aus dem Wasser, da sie die längste Garzeit hatte. Weil sie allein im Kessel bleiben musste, war die Leberwurst beleidigt – und platzte vor Wut.

4. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Am Brötchenstand in der Schule drängelt sich Lukas vor. Die Verkäuferin weist ihn zurecht: „Hey! Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Bitte, hinten anstellen! Vor dir sind noch andere Kinder!“ Die Redewendung „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ erinnert an das Mittelalter. Denn damals mussten sich Bauern mit ihrem Getreide bei den Mühlen anstellen, um das Korn dort mahlen zu lassen. Wer als Erster zur Mühle kam, dessen Korn wurde natürlich auch zuerst gemahlen.

5. Iss auf, dann gibt es morgen gutes Wetter!

Hat jemand sich zu viel auf den Teller getan oder stochert unzufrieden im Essen herum, so sagt man redensartlich: „Iss auf, dann gibt es morgen gutes Wetter!“ Besonders Eltern benutzen diesen Ausdruck gern, um ihre Kinder zum Weiteressen zu animieren. Der Ursprung? Ein Fehler in der Übersetzung aus dem Plattdeutschen! Die Redensart beruht nämlich auf einer missverstandenen plattdeutschen Formulierung.

Im Plattdeutschen lautete diese: „Et dien Töller leddig, dann givt dat morgen goods wedder.“ Daraus wurde im Hochdeutschen dann schnell der Ausdruck „Iss deinen Teller leer, dann gibt das morgen gutes Wetter“. Doch bei dieser Übersetzung unterlief ein Fehler: Denn „wedder“ heißt gar nicht „Wetter“, sondern „wieder“. Eigentlich müsste es also korrekt heißen: „Iss deinen Teller leer, dann gibt das auch morgen wieder etwas Gutes.“

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