Stadtleben

Saharasand im Ländle

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Saharasand im Ländle

Zwischen März und Juni sowie zwischen Oktober und November

Wer im März mal auf sein Auto geschaut hat, dem wird aufgefallen sein, dass die Farbe beim Kauf ein wenig anders war. Auch der Blick in den Himmel brachte eine beinahe schon mystische, mit Ockertönen, Rottönen und ein bisschen Grau verfeinerte Stimmung mit sich. Saharasand war uns klar, wenn es regnet heißt das Zeug das runterkommt „Blutregen“ und wenn es im Schnee landet wird daraus „Blutschnee“. Wir haben uns aber gefragt, wie oft wir dieses Phänomen in Süddeutschland haben, wie die Voraussetzungen sein müssen, ob das immer schon so war und ob da vielleicht etwas ungesundes durch die Luft flattert.

Wie kommt es also zu diesem meteorologischen wie auch ökologischem Schauspiel? An der Vorderseite eines weit nach Süden reichenden Tiefdrucksystems strömt Warmluft aus Nordafrika über den westlichen Mittelmeerraum heran. Da die Luftmassen vom Nordrand der Sahara stammen, transportieren sie große Mengen feinster Sandpartikel bis nach West- und Mitteleuropa. Mehr als 2.000 Kilometer wird der Sand durch die Luft gewirbelt, bis er bei uns ist.

Bild: Jenny Strauß

Was umgangssprachlich als „Saharastaub“ bezeichnet wird, ist für Meteorologen feinster Mineralstaub (zumeist Quarzsand), der so leicht ist, dass er bei kräftigem und gleichmäßigem Wind von der Sahara aus über weite Strecken transportiert werden kann. Nur bei Regen wird die Staubfracht aus der Luft gewaschen und fällt zur Erde. Bleibt es niederschlagsfrei verlängert sich die Verfrachtungsstrecke nahezu beliebig.

Der Sahara-Staub ist Nahrung für die Böden. Der Grund: Wo sich heute die Sahara befindet, war früher ein riesiger Süßwassersee, der austrocknete. Der nährstoffreiche Staub dient vor allem in Südamerika, wohin der Saharastaub regelmäßig verfrachtet wird, als Dünger – etwa für die Regenwälder des Amazonas. Aber auch das Meer, insbesondere der Atlantik wird durch den Staub aus der Wüste mit Mineraldünger versorgt. Dadurch gedeihen Algen und andere Meerespflanzen sowie Plankton und über die Nahrungskette verbunden letztendlich Fische und Wale. Pro Jahr werden etwa eine Milliarde Tonnen Staub verblasen.

Bis auf die leicht zu beseitigende Verschmutzung sind durch den Saharastaub in Mitteleuropa keine negativen Auswirkungen zu befürchten.

Neu ist das sepiafarbene Wetterphänomen jedoch nicht. Doch durch den Klimawandel wird es begünstigt. Denn die Großwetterlagen bleiben beständiger und es gibt häufiger als früher Süd- und Südwestströmungen. Daher kann es künftig öfter dazu kommen, dass Sahara-Staub zu uns geweht werde. Das passiert vor allem zwischen März und Juni sowie zwischen Oktober und November – sagt hier der Deutsche Wetterdienst und das etwa zwischen fünf und 15 Mal im Jahr. Sand zählt inzwischen weltweit zu den begehrten Rohstoffen. Wer jetzt aber denkt, er hat hier einen Schatz vor die Hütte geweht bekommen – negativ: Denn Sand ist nicht gleich Sand. So gilt Wüstensand für die Betonproduktion als ungeeignet. Das Problem ist, dass der Sand zu fein ist. Der Sand ist ja auch ein Gemenge aus Feinstsand, Feinsand, mittelkörnigem Sand und Grobsand, und im Wüstensand fehlen komplett der Grobsand und der Mittelsand. Das heißt, der Sand in der Sahara ist größtenteils ein Feinstsand und nicht geeignet, um das nötige Stützkorn zu liefern für den Betonsand. Deswegen ist der Wüstensand nicht geeignet, nicht weil er zu rund ist, wie oft angenommen, sondern weil er zu fein ist. Allerdings bedeutet das nicht, dass es nirgends in der Sahara oder auf der Arabischen Halbinsel Betonsande gibt.

So, jetzt wissen wir Bescheid!

PS: Den Sand auf den Autos nicht abwischen. Der Staub wirkt wie Schmirgelpapier.

 

Titelbild: Rolf Albrecht