Stadtleben

Schottergärten als Gartengestaltung verboten

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Schottergärten als Gartengestaltung verboten

Die Baurechtsbehörde der Stadtverwaltung informiert

Der ein oder andere wird sich jetzt in der dunklen Jahreszeit schon Gedanken machen, seinen Garten neu zu gestalten oder gleich komplett neu zu bauen. Nach dem neuen Landesnaturschutzgesetz sind sogenannten Schottergärten als Gartengestaltung aber nicht mehr zulässig. Um darauf und auf die Folgen für die Natur aufmerksam zu machen, gibt die Baurechtsbehörde der Stadtverwaltung ab jetzt ausführliche Informationen an Bauwillige aus.

Weiße Kiesel, Granit-Palisaden und grauer Betonstein – so sehen immer mehr Vorgärten aus. Was immer mehr Hausbesitzer schick und praktisch finden, entpuppt sich zusehends als Problem – für die Artenvielfalt und das Stadtklima nämlich. Nach dem neuen Landesnaturschutzgesetz sind solche sogenannten Schottergärten allerdings als Gartengestaltung nicht mehr zulässig. Um darauf und auf die Folgen für die Natur aufmerksam zu machen, gibt die Baurechtsbehörde der Stadtverwaltung ab jetzt ausführliche Informationen an Bauwillige aus.

Hintergrund:

Grünflächen haben eine hohe Bedeutung sowohl für die Natur als auch für uns Menschen. Entsprechend bepflanzt bieten sie Nahrung für bedrohte Schmetterlinge oder Wildbienen und dienen auch als Lebensraum für verschiedene Vogelarten. Zudem heizen sich begrünte Bereiche im Sommer deutlich weniger auf als Steinflächen und tragen durch Verdunstung zur Abkühlung bei, was bei unserem zunehmend wärmeren Klima ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist. Hinweise für eine bunte und insektenfreundliche Gartengestaltung bietet unter anderem die Internetseite bluehende-landschaft.de.

Gärten können also lebendige Orte sein, in denen Schmetterlinge, Vögel und Hummeln einen Platz finden und die zur Abkühlung der Siedlungen beitragen. Schottergärten bieten diese Vorzüge nicht. Klar kann so ein Schottergarten schick aussehen und auch pflegeleicht sein. Auf den ersten Blick. Schottergärten sind aber keineswegs wartungsfrei. Zwischen den Steinen kämpfen sich Wildkräuter und Gräser hindurch. Ihnen reicht als Grundlage, was der Wind heranweht. Wird ein Schottergarten nicht aufwändig sauber gehalten, erobert ihn die Natur Stück für Stück zurück.

Ob Einfamilienhaus oder Straße, Gartenhütte oder Carport – jedes Bauwerk verdrängt ein Stück Natur und versiegelt den Boden. In gewissem Umfang ist dieser Flächenverbrauch unvermeidlich. Umso wichtiger ist, dass wir die verbleibenden Zwischenräume so gestalten, dass die Natur einen Platz findet – auch zu unserem eigenen Vorteil.

Die Wissenschaft spricht von Ökosystem- Dienstleistung, die eine gesunde Natur für uns erbringt:

• Schmetterlinge und Wildbienen finden Lebensraum und bestäuben nebenbei unsere Zier- und Nutzpflanzen.
• Niederschläge versickern langsam im Boden und füllen so – gefiltert durch intakte Böden – die Grundwasserspeicher. Das beugt Überschwemmungen vor.
• Vögel und Fledermäuse ziehen Nachwuchs groß und erbeuten unzählige Mücken und andere Insekten.
• Büsche und Bäume produzieren Sauerstoff und filtern Feinstaub und Rußpartikel aus der Luft.
• Pflanzen nehmen die Sonnenwärme auf und tragen durch Verdunstung zur Abkühlung bei. Ihr Schatten verhindert, dass sich der Boden so weit aufheizt, dass es selbst nachts nicht mehr abkühlt.
• Zaunkönige singen, Igel schmatzen, der Wind rauscht in den Blättern – die meisten Menschen lieben die Natur. In einem lebendigen Garten lässt sie sich hautnah erleben. Kostenlos. Jeden Tag.

Heimische Gehölze wie Holunder, Vogelbeere und Weißdorn bieten unseren Vögeln und Insekten Nahrung und Unterschlupf – im Gegensatz zu Thuja, Bambus und anderen Exoten. Steine im Garten sind nicht grundsätzlich tabu. Eidechsen und Spinnen lieben Steinhaufen und Trockenmauern. Pflanzen wie Hauswurz und Mauerpfeffer gedeihen hier besonders gut. Die Mischung macht’s: Ein echter Steingarten bildet felsige Lebensräume nach und bietet ein reiches Angebot an heimischen, angepassten Pflanzen.

Zusammengefasst:

Verwandelt zumindest einen Teil eures Rasens in eine Wiese mit heimischen Wildblumen- und Kräuterarten. Schmetterlinge und Wildbienen werden schon im ersten Jahr zu Besuch kommen.

Titelbild: udo72 | 123RF.com