Stadtleben

Unsere Fils

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Unsere Fils

Von Weiden gesäumter Fluss

Für viele von uns ist ein Besuch an der Fils wie ein kleiner Urlaub vom Alltag. Du tauchst durch das Dickicht am Ufer und bist schon in einer ganz anderen Welt, die zum Verweilen einlädt. Hier gibt es auch immer Neues zu entdecken, ein paar Florfliegenlarven, die sich aus Sand einen Wohnköcher, dem Vorläufer des Tiney House, gebaut haben, schwarze Libellen, die alleine oder zu zweit über dem Wasser zu tanzen scheinen oder ein Graureiher, der wie zur Marmorsäule erstarrt einen silbernen Fisch im klaren Wasser beobachtet und auf den perfekten Moment wartet, um endlich sein Mittagessen aus dem Wasser zu ziehen. Armer Fisch.

Die erste Erwähnung des Filsgaues lässt auf eine ursprüngliche Namensform „Filiwisa“ schließen, was so viel heißt, wie „von Weiden gesäumter Fluss“. Und das trifft es ziemlich genau, denn Weiden gibt es an der Fils, wie überall in Wassernähe, jede Menge. Ihr Ursprung dürfte den meisten von uns bekannt sein, er liegt bei Wiesensteig im Hasental. Allerdings leistet sich die Fils nicht nur eine Karstquelle, sondern hat noch zwei weitere, den kleinen Filsursprung rechts und die Hasenquelle links am Hangfuß. So durchläuft die Fils die Tälesgemeinden, die manchmal sogar ihren Namen im Ortsnamen tragen, was zeigt, wie wichtig der Fluss schon immer für die Filstäler war. Bei der Reise durchs Täle werden noch die Gos, die Ditz, der Sennen-, Schüttel-, und Schinderbach mitgenommen. In Reichbach kommt der Fischbach, in Hausen der Rohrbach und in Bad Überkingen der Rötelbach hinzu. Durch Geislingen beschreibt sie dann einen Linksbogen um 90 Grad, wo sie dann auf die Eyb trifft. Erst in Süßen trifft die Fils dann auf die kleine Lauter. Sie ist der größte Nebenfluss der Fils überhaupt. In Plochingen hat die Fils dann ihren Weg von 63 Kilometer hinter sich gebracht und fließt in den Neckar, der fließt in den Rhein und dieser fließt in die Nordsee, für alle, die genau wissen wollen, wo unser Filswasser hin kommt.

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Unsere Fils ist schon immer für die an ihm lebenden Menschen überlebenswichtig gewesen. Anwohner haben ihr Wasser zum täglichen Leben von dort bezogen, sich darin gebadet, Wäsche gewaschen, geangelt, mit dem Fluss gelebt. Später hat die Fils dann auch Boote getragen, die Materialien zu den Fabriken geschafft und die Handelswaren von dort weiter transportiert haben.

Allerdings kamen eben diese Menschen alsbald auf die Idee, den Fluss für sie gefälliger zu machen, das Flussbett zu begradigen, Brücken, Wehre und Industrieanlagen zu bauen, Ufer zu befestigen, was für den Fluss und das Leben in ihm nicht wirklich eine Bereicherung, aber für die Menschen damals enorm wichtig und zu dieser Zeit fortschrittlich war. So war die Fils effektiver und für den Menschen besser zu nutzen.

Vor allem die Brücken, die heutzutage nicht nur jede Menge giftigen Dreck durch deren Überfahrung in den Fluss schleudern, brauchen Befestigungen und zwingen den Fluss so genau dort zu bleiben, wo er beim Bau der Brücke war. Nun wird sich der interessierte Leser natürlich fragen, wo denn der Fluss wäre, wenn der Mensch keine Brücke an dieser Stelle gebaut hätte. Nun, Flüsse haben die Angewohnheit, sich immer wieder zu verändern, sich neu einzurichten und dort zu fließen, wo ihr Wasser, das ja mal mehr und mal weniger ist, am besten durchkommt. Ein Fluss, der nicht durch den Menschen verändert wurde, findet immer neue Wege durch eine natürliche Landschaft, je nachdem, was die Natur ihm vorgibt. Mal fällt durch einen Blitzschlag ein Baum um und staut so das Wasser, das sich auf einer anderen Seite einen Weg sucht. Ein anderes Mal gibt es Starkregen und der Fluss bahnt sich einen neuen Weg, eben da, wo das Wasser nun besser durch kommt. Auch das Flussbett selbst gibt dem Fluss immer wieder neue Möglichkeiten, sich zu entfalten, je nachdem, was durch eine starke Strömung des Wassers am Ufer für Erdschichten freigelegt werden.

Aber durch diese neuen Wege, die das Gewässer hier findet, erschafft der Fluss durch das Umlagern von Sedimenten, wie Sand und Kies beispielweise, neue Lebensräume. Und durch die Mikroorganismen, die darin leben, wird dann das Wasser auch gereinigt. Also gilt, je natürlicher ein Fluss ist, desto größer ist seine Selbstreinigungskraft.

Unsere Fils hat nun aber viele Fixpunkte, wie Brücken und Wehre. Auch gibt es jede Menge Stellen, wo das Flussbett und die Uferregion begradigt und befestigt ist. Dies verändert das Strömungsverhalten der Fils und der in ihr vegetierenden Kleinstlebewesen. Der Fils wurde also ein Bereich zugewiesen, wo sie sich bewegen darf. Das war aus Menschensicht natürlich irgendwann mal nötig, da eine Brücke dem wilden Treiben eines Flusses nicht einfach folgen kann, sondern tunlichst an Ort und Stelle zu verbleiben hat. Zudem hat der Mensch im Filstal in unmittelbarer Nähe zum Fluss Kulturlandschaften geschaffen. Felder, die der Düngung bedürfen und auch Pflanzenschutzmittel ausgebracht wurden. Auch dies ist verantwortlich für den Zustand, in dem unsere Fils und deren Flora und Fauna heute sind.

Egal, was in den letzten hundert Jahren an und mit der Fils gemacht wurde, wir Bewohner des Filstals haben uns selbst damit keinen großen Gefallen getan. Während früher auch beispielsweise durch die Filsauen sich das Wasser nach starken Regenfällen ausdehnen konnte, wurde durch die Bebauung dieser Flächen in vielen Gemeinden ein kostspieliges Hochwasserschutzbecken nötig, um die Überflutung der Orte zu verhindern. Und die Älteren von uns werden sich an so manches Hochwasser unseres Flusses erinnern.

So haben einige Gemeinden nun schon begonnen die Fils zu „renaturieren“, also versucht, den naturnahen Lebensraum am und im Fluss wieder herzustellen. Eigentlich eine gute Idee, dennoch vermag keine Renaturierung die Fläche in den Urzustand zu versetzen. Unter anderem bleibt hier sowohl die biologische Vielfalt, der Kohlenstoff- und Stickstoffkreislauf weit unter den Werten des ursprünglichen Ökosystems. Aber nun. wenn das Kind schon in den Brunnen bzw. den Fluss gefallen ist, ist diese Lösung auf alle Fälle besser, als den Fluss in seinem engen Korsett zu belassen. Jedoch ist es natürlich immer besser, andere Lösungen zu suchen, wenn es gilt, den natürlichen Lauf eines Flusses zu stören, sowohl für die Natur, wie im Endeffekt auch für uns Menschen.

Eure Andrea