Stadtleben

Unsere Kanalisation

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Unsere Kanalisation
15.790.000 Liter am Tag

Unsere Kanalisation

Früher verschwand man im Gebüsch und erledigte sein Geschäft dort. Die ersten Zeugnisse einer Toilette (mit kontinuierlicher Wasserspülung) stammen aus der Zeit um 5000 v.u.Z.. Die Sumerer verfügten bereits über tönerne Abwasserleitungen in ihren Häusern. In Europa ist das Wasserklosett im Palast von Knossos auf Kreta aus dem Jahre 2000 v.u.Z. wohl das älteste. Der König thronte offensichtlich auf einem Holzsitz, unter dem ständig fließendes Wasser sein „Geschäft“ davon spülte. Griechische Städte verfügten ebenfalls über Kanalisationssysteme und öffentliche Aborte mit mehreren WCs in einer Reihe.

Im Jahre 600 v.u.Z. verfügte auch die Stadt Rom über einen Abwasserkanal. 184 v. Chr. erreichte dieser Kanal eine Breite von 3m bei einer Höhe von 4m. Dabei flossen die Abwässer der Stadt direkt in den Tiber. Später wurden die Abwassersysteme weiter verbessert, ins besondere die durchfließende Wassermenge erhöht, um sämtlichen Schmutz aus der Stadt zu spülen. Doch sowohl öffentliche Toilettenanlagen als auch die Kanalisation waren eher eine Angelegenheit für die Oberschicht.

Doch die technischen Errungenschaften der Antike gerieten nach dem Zusammenbruch des römischen Reiches im christlichen Abendland wieder in Vergessenheit. Für das Mittelalter sind eher Plumpsklos aus den verschiedenen Burgen bekannt. In den Städten entledigte man sich aller Dinge, die den Tag über in Gefäßen gesammelt wurden kurzerhand auf der Straße. Fenster auf und ´raus damit! Lange Zeit verging, ehe der brutale Gestank dazu führte, dass Hausbesitzer dazu gezwungen wurden, Sammelbehälter für die Abtritte anzulegen, die nach außen geschlossen waren (so in Paris um 1800).

Bereits im Jahre 1660 tauchten die ersten Wasserklosetts in Frankreich und England auf, doch diese konnten sich bis hinein ins 19 Jahrhundert noch nicht durchsetzen. Entsprechend unangenehm war der Fußweg durch die Städte. In Hamburg lagen viele Stadthäuser an Fleeten und Kanälen, so dass die Toiletten als so genannte Lauben auf der Fleetseite an die Häuser gebaut wurden. Der Dreck plumpste zusammen mit anderen Abfällen direkt ins Wasser.

Gleichzeitig dienten die Wasserwege aber auch als Quelle für Trink- und Waschwasser. Den klassischen Seuchen wie Typhus und Cholera waren somit Tür und Tor geöffnet. Eine andere Art der Entsorgung waren in Hamburg die Kummerwagen. Müll und Fäkalien wurden in offenen Wagen abgeholt und durch die Stadt zu den Bauern gefahren. Dort landeten sie als Dünger auf den Feldern.

Über Abwasser wird eher selten nachgedacht. In den Fokus der Aufmerksamkeit gelangt es erst dann, wenn der Abfluss verstopft und man sein Abwasser nicht mehr einfach so loswerden kann. Dabei ist die möglichst unauffällige Entsorgung des Abwassers ein großes logistisches Problem, das vor allem in den Städten eine umfangreiche, dabei selten beachtete Infrastruktur mit sich bringt. Diese Infrastruktur besteht aus einem weit verzweigten Netz an kleinen und im Verlauf immer größer werdenden Abwasserrohren und unterirdischen Kanälen, sie beginnt an jedem Wasserabfluss in Küche oder Bad mit einem Durchmesser von 40 oder 50 Millimetern, setzt sich durch die Häuser und Keller fort, verläuft unterhalb der Straßen durch Rohre, die zum Teil mehrere Meter Durchmesser haben, bis zur Kläranlage. Das dort gereinigte Abwasser wird dann für gewöhnlich in natürliche Oberflächengewässer entlassen. Fachgerechte Abwasserentsorgung ist ein wichtiger Aspekt der Zivilisation.

Vor der Erfindung der Kanalisation waren vor allem die großen Städte wie eben aufgeführt erfüllt vom Gestank, der von Abwasser und Fäkalien ausging. Dabei war der schlechte Geruch nur ein Symptom der hygienischen Probleme. Der Bau der unterirdischen Kanalisation war ein Meilenstein in der Bekämpfung von Krankheiten, Seuchen und Epidemien. Heute sind alle Städte in Mitteleuropa an die Kanalisation angeschlossen. Auf dem Land ist das noch immer nicht überall so. Es gibt unterschiedliche Meinungen darüber, wie in dünn besiedelten Gebieten mit dem Abwasser umgegangen werden soll.

Als Privatperson schenkt man dem Wasserabfluss im Allgemeinen erst dann Beachtung, wenn er nicht mehr funktioniert. Dann wird dringend nach Möglichkeiten gesucht, die Abflussverstopfung zu beseitigen. Die bewährten Möglichkeiten reichen von der Anwendung des Pömpels bis zum etwas aufwendigeren Einsatz der Rohrreinigungsspirale. Von der Verwendung chemischer Mittel und Abflussreiniger wird heute meistens abgeraten, und das mit Grund. Sie sind nicht gesund, sind umweltschädlich, und ihr Nutzen ist zweifelhaft.

Kommen wir zur Geislinger Kanalisation
Erbaut im Jahre 1920 verfügt die Geislinger Kanalisation über sage und schreibe 141 Kilometer, die sich unter uns hindurchschlängeln. An der tiefsten Stelle sieben Meter unter der Erdoberfläche, was eine beachtliche Tiefe darstellt. Um eine Idee zu bekommen, was denn unter uns fließt: Im Jahr 2018 waren es insgesamt 5.763.700.000 Liter. Zur Reinigung ist zu sagen, dass die Kanalisation alle 10 Jahre und nach Bedarf gesäubert wird.

Zuständig hierfür ist der Eigenbetrieb „Abwasserbeseitigung“ der Stadt Geislingen. Uns hat interessiert, wie viel Abwasser jeden Tag unter Geislingen hindurchfließt? Durchschnittlich sind es 15.790 m³/Tag oder 15.790.000 Liter am Tag. Der Rekord im letzten Jahr war 60.108 m³ bei Starkregen. 60.108.000 LITER AN EINEM TAG!

Was sind aber die Auswirkungen bei Starkregen? Die Kanäle sind nicht für jedes Starkregenereignis ausgelegt, somit kann der Kanal einstauen bzw. überlaufen. Bei Gebäuden ohne Rückstauklappe kann es in diesem Fall zu Wasser/Abwassereintrag ins Gebäude kommen. Hiervon sind vor allem Keller betroffen, aber auch Gebäude, die unter der Rückstauebene liegen. Die Rückstauebene ist z.B. die Straße bzw. der nächste Schacht, aus dem das Abwasser austreten kann. Ansonsten ist bei voller Kanalisation ein Abfluss über die Straßenabläufe nicht möglich und somit stehen die Straßen unter Wasser.

Vielen Dank an die Stadt für die Infos!!!