Stadtleben

Vespa Restauration aus Türkheim

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Vespa Restauration aus Türkheim

Frances Zweirad Garage

Hoch oben auf der Schwäbischen Alb in einem netten Örtchen namens Türkheim erwarb der Geislinger Francesco Cancilleri mit sizilianischen Wurzeln und Freude an besonderen italienischen Rollern der Marke Piaggio 2016 einen alten Bauernhof. Da ein Schweinestall ohne Schweine keinen Sinn macht, wurde dieser in eine Werkstatt umgewandelt. Seit über 12 Jahren renoviert und restauriert der gelernte Fahrzeuglackierer schon Roller und Motorräder, seine besondere Zuneigung und Liebe gelten aber den alten Vespas, seinem Steckenpferd.

Seit einem Jahr mittlerweile widmet er sich den Vespas hauptberuflich, da der Kundenkreis von Jahr zu Jahr größer wurde. Kamen seine Kunden zu Beginn nur aus Gegenden zwischen Ulm, Stuttgart und Heidenheim, sprach sich der Name France in Kennerkreisen immer mehr herum.

Irgendwann verkaufte er eine Vespa nach Österreich an ein Hotel, ein Berliner Gast war so begeistert davon und meldete sich umgehend in Türkheim. Seitdem mehren sich natürlich auch die Anfragen aus diesen Gegenden. Die bisher älteste in Türkheim restaurierte Vespa hatte ein 1960er Baujahr – 50 Jahre sind absolut keine Seltenheit.

Wer auf der Suche nach einer alten Vespa ist oder seine in der Scheune Gefundene wieder aufleben lassen und auf Vordermann bringen möchte, der ist in Frances Zweirad Garage genau richtig. Dieser begibt sich auf die Suche für seine Kunden und restauriert dann natürlich selbst.

Komplettrestaurationen werden allerdings nur im Winter durchgeführt, aufgrund der großen Auftragslage in den Sommermonaten.

Auch die technische Überholungen, wie beispielsweise das Aufrüsten eines 50er Rollers auf 125 ccm, ist aufgrund des neuen B196 Führerscheins ein häufiger Kundenwunsch. Jeden Freitag ist der TÜV vor Ort und nimmt dann die Änderungen ab, damit alles seine Ordnung hat.

Die Faszination wurde ihm von seinem Opa vorgelebt, der mit seinen heutigen 87 Jahren immer noch fleißiger Vespa-Fahrer ist. Dort in Sizilien verliebte sich France bereits als junger Bub in das laute Knattergeräusch, als Opa ihn damals zwischen den Beinen hat mitfahren lassen. „Eine Vespa zu fahren ist dolce vita, ist Italienurlaub, man kauft sich damit ein Lebensgefühl.

Eine jetzt 2022 restaurierte Vespa ist um ein Vielfaches besser als das ursprüngliche Modell damals, als es vom Band kam. Mit den heutigen Materialien und Möglichkeiten, auch in Bezug auf den Lack, erhält der Kunde ein komplett neues Moped. Wir haben übrigens auch Laufräder in Vespaform für kleine Kids …“

Die erste Vespa, die Vespa 98, kam übrigens 1946 auf den Markt und trug den Spitznamen „Paperino“ (Entchen); sie hatte 98 cm³ Hubraum und war maximal 60 km/h schnell. Ihr Erfinder war Corradino D’Ascanio – ein Ingenieur, dessen Traum es war, Hubschrauber zu bauen. Er entwickelte das Konzept der Vespa kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Auftrag von Enrico Piaggio, indem er von einem sitzenden Menschen ausging, um den herum er die Technik des neuen Zweirades anordnete.

Die Ur-Vespa „98“ sollte einfach, sparsam und leicht fahrbar sein. Weil Corradino nie zuvor Motorräder konstruiert hatte, ging er völlig unvoreingenommen an diese Aufgabe heran. Der Antrieb und die Kraftübertragung sollten so einfach wie möglich sein und so entschied er sich für eine Triebsatzschwinge ohne Sekundärkette, zumal der Kettenantrieb in der damaligen Notzeit aus Materialmangel fast unmöglich war.

Auch sollte die Vespa keine Motorenteile haben, an denen man sich schmutzig machen konnte. Daher war der Motor komplett verdeckt untergebracht. Der Reifenwechsel sollte so einfach wie bei einem Auto sein. Und es hat geklappt – grazie!