Stadtleben

Vogelrettung – was tun?

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Vogelrettung – was tun?

Vogelbaby außerhalb des Nests …

Jetzt im Mai beginnt bei den Vögeln in unseren Gärten und Wäldern die Brutsaison. In Bäumen, Sträuchern, Nistkästen oder Bruthöhlen wurden schon Nester gebaut, die nun mittels Eiablage mit Leben gefüllt werden sollen. Und es gibt doch kaum etwas Hübscheres, als ein Vogelnestchen zu sehen, voll mit diesen kleinen roten Mäulchen, die um Futter betteln.

Umso größer die Panik bei uns Menschen, wenn eins dieser Mäulchen und das dazugehörige Jungvögelchen nicht mehr dort ist, wo wir denken, dass es hingehört, nämlich in eben jenem Nest. Sofort wird Hilfe angefordert, bei jeder Organisation, die das Wort Tier oder Natur in ihrem Namen trägt, bei Tierärzten, Tierheimen oder Vogelzüchtern. Oder, was für die Vogelfamilie noch fataler ist, das Jungtier wird aufgenommen und praktischerweise in einen Schuhkarton gesetzt. Denn es kann nicht angehen, dass ein kleines Tierchen völlig sich selbst überlassen in der bösen Natur verbleibt, wo mannigfaltige Gefahren auf es lauern, wie die Straße, der Gartenteich, die eigenen Katzen oder andere Räuber. Natürlich ist es immer schön, wenn dem Menschen die Natur und ihre diversen Lebensformen so am Herzen liegen, dass es gilt, jedes Leben zu bewahren. Dennoch muss auch an dieser Stelle klargestellt werden, dass nur jeder fünfte Jungvogel pro Jahrgang, am Beispiel der heimischen Sperlingen, die Geschlechtsreife tatsächlich erreicht. Diesen Umstand gleicht die Natur aber wieder mit mehreren Bruten pro Jahr aus.

Aber wie verhalte ich mich richtig?

Nun, meistens sind diese Tiere nicht aus dem Nest gefallen, sondern haben es, zwar noch weitestgehend flugunfähig aber voll Entdeckerdrang, aus freien Stücken verlassen, weil es ihnen daheim, wie bei der Jugend so üblich, zu eng wurde. Die Vogeleltern haben Junior aber weiterhin im Auge und versorgen auch diesen abenteuerlustigen Kameraden mit Futter. Auch achten sie darauf, dass er nicht Opfer eines Räubers wird und versuchen den Zögling so es in ihrer Macht steht, zu beschützen. Sollte sich das Vogelkind aber in unmittelbarer Nähe eine Straße oder einer sonstigen bedrohlichen Örtlichkeit befinden, so ist es ratsam, es aufzunehmen und an einer sicheren Stelle in der Nähe wieder auszusetzen. Keine Sorge, die Vogeleltern finden ihren Junior wieder, da der einen ordentlichen Radau veranstaltet, wenn er Hunger kriegt und auch das Anfassen des Kükens hat keine negativen Auswirkungen, da es den Vogeleltern relativ egal ist, nach was der Nachwuchs riecht. Wer eigene Kinder hat, weiß, du liebst sie, egal wie sie riechen.

Wenn nun der Verdacht besteht, das Vogelkind wäre unbeaufsichtigt unterwegs, so ist es ratsam, das Tier zwei bis drei Stunden verdeckt zu observieren. Sollte aber ein völlig kahles Exemplar evtl. noch mit geschlossenen Augen aufgegriffen werden, so kann dieses nur aus einem Nest gefallen sein. Hier ist es oft so, dass diese Kleinen schon den Sturz so grade mal schlecht als recht überlebt haben. Wenn Junior sonst aber einen fitten Eindruck macht, sollte hier das Nest gesucht und der Zögling zurück gebracht werden.

Bei Mauerseglern kommt es auch häufiger vor, dass in den warmen Sommermonaten die Temperatur in den schlecht belüfteten Nestern unter unseren Dächern bis auf 50 oder 60 Grad steigen und den Vogelkindern dadurch recht heiß wird. Um sich abzukühlen, begeben sie sich dann an den Eingang des Nests, wo ein laues Lüftchen weht. Fatal, denn wer weder sehen noch gerade stehen kann, wird leicht in die Tiefe gerissen.

Wenn möglich sollten lebende und augenscheinlich unverletzte Mauersegler Kinder zurück nach Hause gebracht werden. Da Mauersegler Eltern nicht zählen können, ist es hier völlig egal, aus welchem Nest der Tollpatsch gepurzelt ist. Weder bei Spatzen, noch bei Mauerseglern sollte versucht werden, die Tiere in Eigenregie durchzubringen. Das bedeutet meist nur viel Leid und Qual für das Jungtier, das diese wohlgemeinte Pflege in den meisten Fällen sowieso nicht überlebt.

Das Bundesnaturschutzgesetz erlaubt die Pflege von Wildtieren übrigens auch nur über einen begrenzten Zeitraum und nur dann, wenn diese Tiere tatsächlich krank oder verletzt sind. Hier ist es immer besser, einen Fachmann zu Rate zu ziehen und bei einer Auffang- oder Pflegestation vorzusprechen.

Eure Andrea