Stadtleben

Wespen im August – Der NABU Geislingen informiert

-
Wespen im August – Der NABU Geislingen informiert

Der NABU Geislingen informiert

Wir haben vor bestimmt zehn Jahren das letzte Mal über Wespen geschrieben. Vor diesem Bericht waren die Viecher für uns nur unnützes Pack, welches nervig am Essen und Bier teilhaben möchte.

Sind sie aber ganz gewiss nicht: Wespen gehören wie auch Bienen zu den sogenannten Hautflüglern und übernehmen eine wichtige Aufgabe im Ökosystem. Die meisten Wespenarten ernähren sich von Pflanzensäften und Obst. Dazu besuchen sie viele Blüten und tragen zu deren Bestäubung und damit zu einer reichen Obsternte bei.

Jetzt bin ich bei Kaffee und Kuchen neulich innerhalb von 15 Minuten zwei Mal gestochen worden, ob es sich um die gleiche Übeltäterin handelt – ich weiß es nicht – allerdings fand ich die Frequenz relativ hoch. Zufall, Pech, wie auch immer, uns hat interessiert, ob wir gerade überdurchschnittlich viele Wespen umherfliegen haben und uns an den NABU Geislingen gewandt, also den Ableger des Naturschutzbundes Deutschland e.V., der uns netterweise mit aktuellen Informationen versorgt hat. Vielen Dank dafür!

„Nein, derzeit fliegen sicher nicht überdurchschnittlich viele Wespen. Der Grund liegt mit Sicherheit in den vergangenen relativ kalten Wintern. Die aktuelle Population ist also eher normal. Festzuhalten ist, dass per se die Anzahl der Wespen(nester) sicher nicht größer ist, wie in vergleichbaren Jahren. Warum wir aktuell die Wespe als besonders lästig wahrnehmen ist ein anderer. Für Wespen und Co. beginnt die Mangelzeit, sobald die Lindenblüte vorüber ist. Und diese ist jetzt um.

Die Völker erreichen in dieser Zeit ihre volle Größe, und die Arbeiterinnen schwärmen aus um für Ihre Brut und sich Nahrung zu suchen. Die Brut wird ausschließlich mit tierischem Eiweiß gefüttert. Im Normalfall also mit anderen Insekten, aber eben auch mit dem Stück Wurst vom Frühstückstisch, oder dem Krümel vom Grillsteack. Für die eigene Versorgung der Arbeiterin kann auch süßes Obst, und eben auch Kuchen, Säfte, Limonaden dienen.

Bild: szefei/ 123RF.com

Von den acht einheimischen, sozialen Wespenarten, trifft das aber nur auf zwei zu. Die Deutsche und die Gemeine Wespe. Diese ziehen ihre Bruten in Baumhöhlen auf. Da diese aber immer seltener werden, sucht die Wespe sich alternative Brutstätten. Rollladenkästen, Dachböden oder dunkle Geräteschuppen. Somit in unmittelbarer Nähe zu Menschen, denen sie lästig werden.“

Das heisst für uns: Ab etwa Ende Juli oder Anfang August, wenn die letzte Generation der weiblichen Wespen ausfliegt und nur noch nach Futter für sich selbst Ausschau hält, werden die eigentlich nützlichen Insekten bei Kaffee und Kuchen auf der Terrasse oder dem netten Grillabend im Garten lästig. Vor allem Fleisch und Süßes sind Magneten für Wespen.

Gleichzeitig sind sie kurzsichtig. Sie wollen von uns maximal Kuchen und Schnitzel, aber sie wollen uns nicht angreifen. Vielmehr fühlen sich die Tiere durch Abwehrbewegungen oder auch Pusten von Menschen angegriffen und gingen dann ihrerseits in den Abwehrmodus – und stechen zu. Hierbei möchte ich anmerken, dass ich beim ersten Stich keinerlei Abwehrbewegungen unternommen habe und mich Frau Wespe dennoch ruhig krabbelnd in den Unterarm gestochen hat.

Übrigens: Sowohl das Töten einzelner Wespen als auch die Zerstörung der Nester kann teuer werden. Das Bundesnaturschutzgesetz ermöglicht Strafen von bis zu 50.000 € für das Töten wildlebender Tiere. Diese Summe ist allerdings recht unwahrscheinlich. Außerdem:

Denn wo kein Kläger, da kein Richter, aber es muss ja nicht sein und es sind ja nur ein paar stressige Wochen für uns. Im Herbst sterben die Tiere, wenn die Temperaturen sinken. Spätestens wenn der erste Nachtfrost kommt, gehen Wespenvölker zugrunde. Nur die herangewachsenen Wespenköniginnen überleben den Winter und sichern mit ihrer Überwinterung den Fortbestand.

Titelbild: waymoreawesomer/ 123RF.com