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Stellenabbau und Produktionsverlagerung

Die Neuigkeit hat sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Die WMF baut Stellen ab. Im Zuge eines Restrukturierungsprogramms der WMF soll die Fertigung von Edelstahl-Kochgeschirr in Geislingen bis Ende 2020 an andere Standorte in Europa verlagert werden.

Rund drei Jahre nach der Übernahme der WMF hat die französische Groupe SEB die Einstellung der Produktion von Edelstahlkochtöpfen in Baden-Württemberg angekündigt. Die Fertigung am WMF-Standort Geislingen an der Steige sei „defizitär“, heißt es in einer von der WMF verbreiteten Mitteilung. Aufgrund des Programms mit dem Titel „Agenda 21“ zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der WMF solle „die Fertigung von Edelstahl-Kochgeschirr in Geislingen bis Ende des Jahres 2020 an andere Standorte des Unternehmens in Europa verlagert“ werden. Welche Länder dafür in Frage kommen, wollte ein Firmensprecher nicht sagen.

Gemunkelt wird allerdings, dass die Fertigung an bereits bestehende Produktionsstätten der SEB nach Spanien und Frankreich verlagert werden soll. Da die europäischen Gehälter aber im Großen und Ganzen gleich sind, macht dieser Schritt nicht nur für den sehr aufgebrachten Betriebsrat wenig Sinn, der gegen die Entscheidung und für einen Verbleib der Fertigung in Geislingen kämpfen will! Laut Betriebsratsvorsitzendem Schnötzinger sei die Kochgeschirr-Fertigung bei uns auch nicht defizitär, wie von der SEB behauptet. Die Profitabilität habe sich jedes Jahr gesteigert, nur anscheinend nicht schnell genug. Außerdem bemängelt er den sozialen Gedanken der französischen Muttergruppe, der anscheinend nicht vorhanden ist.

Über den geplanten Abbau von 400 Arbeitsplätzen sollen demnach erst in den kommenden Wochen konkrete Entscheidungen getroffen werden. Wenn wir bedenken, dass an den 400 Arbeitsplätzen auch etliche Familien mitdranhängen, dann tut diese Entscheidung doppelt weh.

SEB hatte den Küchengeräte-Hersteller im Mai 2016 von den Finanzinvestoren Kohlberg Kravis Roberts (KKR) für mehr als 1,5 Milliarden Euro gekauft. Der französische Konzern ist bekannt für Marken wie Moulinex oder Krups. Die Gruppe wurde eigenen Angaben zufolge mit der Übernahme der WMF zum Weltmarktführer bei gewerblichen Kaffeevollautomaten und zu einem der größten Anbieter für Küchenausstattung. Der schwäbische Hersteller von Kaffeemaschinen, Töpfen, Besteck und Küchengeräten war zuvor in Turbulenzen geraten und hatte sich ein striktes Sparprogramm auferlegt.

Die zu den wichtigsten Geschäftsbereichen gehörende WMF-Sparte Gebrauchsgüter (Consumer) hatte sich trotz weiterer Investitionen nur unterdurchschnittlich entwickelt. Daher startet die WMF die „Agenda 21“ mit dem Ziel, die Wettbewerbsfähigkeit und Leistungsstärke des Unternehmens schnell zu erhöhen. Die Trendwende im Consumer-Geschäft soll durch ein ganzes Bündel von Maßnahmen erreicht werden: Neben der Verlagerung der Kochgeschirrproduktion ins EU-Ausland gehören dazu laut Mitteilung die Neuorganisation der Logistik im WMF-Lager Dornstadt sowie eine erhebliche Senkung der Verwaltungskosten.

„Die Umstrukturierung könnte etwa 400 von global 6.200 Arbeitsplätzen betreffen“, heißt es weiter. Der Abbau solle über ein Freiwilligenprogramm sowie Altersteilzeit und neue Stellen in Geislingen sowie am zukünftigen Logistikzentrum in Dornstadt abgefedert werden. Ein WMF-Sprecher hatte SEB noch bei der Übernahme 2016 als einen strategischen Inhaber in Familienbesitz mit längerfristigen Zielen bezeichnet. „Der möchte die Marke auf lange Sicht entwickeln. Das sind Menschen, die denken in Generationen“, hieß es damals. Die EU-Kommission hatte schließlich grünes Licht für die Übernahme gegeben und dabei keine Auflagen für die Übernahme erteilt.

Das 1853 als Metallwarenfabrik Straub & Schweizer in Geislingen gegründete Unternehmen gehört zu den international bekanntesten Konsumgüterherstellern Deutschlands. Die WMF hat gern auf seine Tradition der Entwicklung und Produktion am Gründungsort verwiesen. Erst Anfang des Jahres war das dortige historische Warenarchiv mit mehr als 11.000 Einzelstücken – darunter auch Kochtöpfe – als besonders schützenswert in das Denkmalbuch des Landes Baden-Württemberg aufgenommen worden.